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Wir alle sind China

Welche Lehren lassen sich aus der aktuellen Situation in China ziehen, um zukünftigen Gefahren für die Schweinefleischproduktion zu begegnen, die über gesundheitliche Belange hinausgehen?

Montag 10 Juni 2019 (vor 8 Tage)
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Lassen wir die Analyse der Marktauswirkungen von ASP einmal beiseite und betrachten wir für einen Moment die weiteren Implikationen für die Schweineproduktion weltweit, die uns China derzeit aufzeigt. Viele Schweinefleisch erzeugende Länder werden wohl in relativ naher Zukunft ähnliche Lehren ziehen, die sich mit dem messen können, womit unsere chinesischen Kollegen derzeit konfrontiert sind. Möchte man die vollen Auswirkungen mildern, die in Zukunft auf uns zukommen werden, ist eine viel größere Innovationsbereitschaft als grundlegendes Merkmal Ihres Unternehmens erforderlich.

Innovation ist der Prozess der ständigen Suche nach der nächsten Lösung, bevor man durch den Zusammenbruch, der durch die Unzulänglichkeit der Gegenwart verursacht wird, zu Fall gebracht wird. Die meisten Menschen können mit diesem Rhythmus nicht mithalten, weil sie an der herkömmlichen Meinung festhalten, die eine kurzfristige Risikominderung verspricht, die zu verlockend ist. Doch um in der Zukunft erfolgreich zu sein, werden Sie feststellen, dass die Innovation als Grundprinzip eine absolute Voraussetzung ist, weil das Tempo des Wandels dramatisch zunehmen wird.

Wenn man wirklich versteht, was in China passierte, dann weiß man, dass es nicht in erster Linie um die laxe Biosicherheit geht, auch wenn die Biosicherheit nicht nur auf der Betriebs-, sondern auch auf regionaler und nationaler Ebene von entscheidender Bedeutung ist. Wir sollten diesen Fall als eine Manifestation eines technologischen Sprungs betrachten, der schrecklich schief ging. Die Entwicklungsländer haben enorme Erfolge erzielt, indem sie einige der technologischen Entwicklungsphasen, die für den Weg der Industrieländer wie der EU und der USA unerlässlich waren, völlig umgehen konnten. Dies wird als Technologiesprung bezeichnet.

Schauen Sie, wie Ihre Kinder oder jungen Nichten und Neffen mit einem Smartphone oder Tablet umgehen und überlegen Sie einmal, was Sie in deren Alter taten. Die heutige Jugend braucht die Notizblöcke oder kleinen Papierkalender nicht, die Sie am Messestand mitnahmen. Sie wird auch mit Ihrer Kleinbildkamera, einem Haustelefon, einem Taschenrechner, geschweige denn Ihrem alten Rechenschieber, nichts anfangen können. Verstehen Sie, worauf ich hinaus möchte? Wird die Robotik bald einfach arbeitsintensive Tätigkeiten beseitigen, die in Industrieländern wie der EU und den USA über zwei Jahrhunderte fortbestanden? Selbstverständlich wird sie dies tun.

Würden Sie, wenn Sie fast von Grund auf ein modernes Schweineproduktionssystem in größtem Maßstab und in rasantem Tempo konstruieren würden, wie es China gerade versucht, die aktuellen europäischen und US-amerikanischen Schweinefleischproduktionssysteme in einem Land einsetzen, das solch dramatischen Änderungen und Turbulenzen unterworfen ist?

Man denke nur an die seinerzeit aufkommende, auf Schweine spezialisierte tierärztliche Versorgung und Beratung in den USA und der EU, das Vorhandensein von Diagnoselaboren, die staatliche Aufsicht über Gewichte und Maße, die Kontrolle der Umweltverschmutzung und die Zielsetzung der Verwertung von Gülle als Nährstoff anstatt ihrer Entsorgung. Denken Sie daran, dass die Genehmigung eines neuen Betriebs das Endprodukt einer multiattributiven Bewertung durch ein interdisziplinäres Team aus Ingenieuren und Stadtplanern ist, wodurch man genügend Zeit hat, zahlreiche zukünftige Probleme zu minimieren. Hinzu kommt die Entwicklung von Verkehrswegen, auf denen mithilfe von Lastwagen große Mengen Tiere transportiert werden können, moderne Schlachtanlagen und der sichere Lebensmittelvertrieb in der gesamten Vermarktungskette bis zum Endverbraucher und Preistransparenz zwischen den Märkten etc. Die Produktionssysteme der USA und der EU wurden durch die gemeinsame Entwicklung unzähliger Fördersysteme geformt, die für ihr Umfeld einzigartig und im heutigen China noch nicht vorhanden sind (da es bisher noch keine Notwendigkeit für sie gab). Stabile Systeme hier waren dort fragil.

Während also Datenanalysten in chinesischen Schweinebetrieben der EU und den USA beim Einsatz von Methoden der künstlichen Intelligenz zur Steuerung der Schweinefleischproduktion weit voraus sind, weisen ihre Systeme diese gewaltige Achillesferse auf, durch die diese Leistungen wieder zunichte gemacht werden. Apropos Achillesferse: Wie stellen Sie sich momentan Ihre Wettbewerbsfähigkeit vor, wenn „sauberes Fleisch“, ein zellkultivierter Ersatz für das Fleisch, das Sie produzieren, einmal den richtigen Geschmack, die richtige Textur und sensorischen Attribute, die Nachhaltigkeitsmerkmale, die Vorteile erneuerbarer Rohstoffe hat, mit niedrigen Kosten und dramatischen Auswirkungen auf die Verbesserung der Gesundheit verbunden sein wird und Ihre Pläne für einen stetig wachsenden Exportmarkt dadurch auf den Kopf gestellt werden? Wenn dann Ihr erster Gedanke ist, zu versuchen Ihre Produktionskosten zu senken, um konkurrenzfähig zu bleiben, wird Ihre Ferse bald den Schmerz fühlen. Die Investitionen der großen Lebensmittelkonzerne in diese Technologie schnellen in die Höhe und die Regierungen bereiten sich darauf vor, sie auf wichtigen Ebenen in Schulen, militärischen Einrichtungen, öffentlichen Cafeterien, Fastfoodlokalen usw. anzuordnen. Unsere aktuellen Systeme beruhen auf der Grundlage herkömmlicher Meinungen, die bald nicht mehr brauchbar sind. Fangen Sie an, Innovationen zu akzeptieren, denn letztendlich sind wir alle China.

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