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Auswirkungen von ASP in China auf Schweinefleisch exportierende Länder: viele Bälle im Spiel

Schweinefleischversorgung und dessen Verbrauch, die Kaufkraft in China und der Handelskrieg zwischen USA und China sind einige der Bälle im Spiel, und weitere werden noch hinzukommen.

Freitag 1 März 2019 (vor 24 Tage)
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Die globalen Auswirkungen der ASP-Ausbrüche in China auf Schweinefleisch exportierende Länder zu verstehen ist ein Jonglierakt und es sind viele Bälle im Spiel. Die gängige Meinung ist, dass diese Ausbrüche zu einem Marktlagengewinn für die Exportländer führen werden, da sich das Niveau der obligatorischen Keulung neu erkrankter Tiere und deren Umfeld auf die gesamte Verfügbarkeit von Schweinefleisch in China auszuwirken beginnt. Das Problem mit der Logik der gängigen Meinung ist, dass ihre Vertreter mit nur einem Ball jonglieren und die anderen Bälle „in der Luft schweben”. Das ist zu einfach und die Schwerkraft neigt dazu zu obsiegen.

Ein Land, in dem mehr Schweinefleisch gegessen wird als in jedem anderen auf der Erde und in dem das noch preisgünstigere Hühnerfleisch an Popularität weit hinter dem Schweinefleisch liegt (obwohl es ja wie überall auf der Welt ein bisschen aufholt), ist sicherlich ein Exportziel. Dass in China im Vergleich zu anderen Ländern die größte Menge an Schweinefleisch konsumiert wird, ist angesichts der Tatsache verständlich, dass des sich um das Land mit der größten Population handelt. Dies ist jedoch nicht das eigentlich Bemerkenswerte. Erstaunlich ist vielmehr, dass trotz der großen Bandbreite an Einkommen, die es in China immer noch gibt, und der rasant wachsenden Mittelschicht in den letzten zwei Jahrzehnten der chinesische Schweinefleischkonsum auf über 30 kg pro Person und Jahr geschätzt wird, was in etwa dem europäischen Durchschnittsverbrauch entspricht und mehr als 30 Prozent über dem Pro-Kopf-Verbrauch in den USA liegt. Erreicht wird dies mit einem Einkommen von etwa 20 % des durchschnittlichen EU-Einkommens und 14 % des durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommens in den USA. Was könnte hier für die Exporteure noch schiefgehen? Dazu Abb. 1: Beachten Sie, dass die Wachstumsrate des Schweinefleischkonsums in China seit einigen Jahren sinkt und mit dem entsprechenden Rückgang des realen Wachstums des Bruttoinlandsprodukts (Volkseinkommen) zusammenhängt.

Vergleichswerte prozentualer Änderungen aus dem Vorjahr: Prozentuale Änderung des realen BIP und Schweinefleischkonsum: Änderung (in kg/Kopf) in CHINA, mit eingefügten linearen Trendlinien

Vergleichswerte prozentualer Änderungen aus dem Vorjahr: Prozentuale Änderung des realen BIP und Schweinefleischkonsum: Änderung (in kg/Kopf) in CHINA, mit eingefügten linearen Trendlinien

Es gibt noch einen weiteren Ball, der ins Spiel zu bringen ist: Die Weltbank hat gerade ihren richtungsweisenden Bericht für 2019 „Global Economic Prospects“ (Aussichten für die Weltwirtschaft) mit dem ahnungsvollen Untertitel „Der Himmel verdunkelt sich“ veröffentlicht. Wir erinnern an unseren Artikel des vergangenen Monats:Wenn die Nachfrage so fundamental ist, ist Wohlstand unerlässlich. Das Epizentrum dieser trüben Prognose scheint China zu sein, wo die Verlangsamung der Wachstumsrate schließlich dazu geführt hat, dass die Regierung versucht, die Kreditvergabe einzudämmen, um den Bau- und Infrastrukturboom zu drosseln, der seiner Auslastung und Gewinnnutzung inzwischen weit voraus ist. Vor allem junge Chinesen aus der Mittelschicht, von denen viele vor kurzem Häuser oder Wohnungen gekauft haben, erleben etwas Ähnliches wie die US-amerikanische Immobilienkrise von 2008-9. Das enorme Überangebot an Immobilien hat den Wert ihrer Investitionen drastisch reduziert, was den Verkauf ihrer Wohnungen unmöglich macht und damit ihrer Mobilität und dem Anstieg ihres Einkommens Einhalt gebietet.

Ein weiterer Ball, der ins Spiel kommt: Die von den USA verhängten Zölle und die ersten Anzeichen der Abschwächung haben die Nachfrage nach Technologie und technischen Bauteilen, die einen Großteil der chinesischen Wirtschaft ausmachen, getroffen. Apples überraschende Abwärtskorrektur der Nachfrage hat gezeigt, dass sich die chinesischen Verbraucher in einer defensiven Reaktion angesichts künftiger Einkommenseinbußen und potenzieller Beschäftigungsunsicherheit von hochwertigen Mobiltelefonen und Technologie abwandten. Stagnierende Einkommen und der deutlich geringere Wohlstand machen billiges Hühnerfleisch wieder attraktiv. Billigere Telefone, preiswerteres Abendessen.

All dies deutet stark darauf hin, dass die Nachfrage nach Schweinefleisch in China wahrscheinlich schneller sinken wird als die sich derzeit verlangsamende Wachstumsrate, und dies nicht nur angesichts der Preissteigerungen aufgrund des verringerten Angebots, sondern auch aufgrund der Einkommensunsicherheit durch die treibende Mittelschicht. China neigt dazu, sich vehement dagegen zu wehren und zeigt Schwachstellen, die das Land im Handel wirklich benachteiligen könnten. Erwarten Sie also nicht, dass es bereit ist, für große Mengen Schweinefleisch Höchstpreise in Dollar zu bezahlen. Dieser Anstieg des Verzehrs von Hühnerfleisch beim gesamten chinesischen Fleischkonsum könnte sich ein wenig beschleunigen, da die relativen Preise diese Entwicklung mit der Zeit noch unaufhaltsamer machen werden. Zur Verringerung der Nachfrage hinzu kommt zumindest vorübergehend die Abnahme des Kaufs von Schweinefleisch aufgrund der Vorstellung, dass man möglicherweise „Fleisch von erkrankten Tieren isst“, die insbesondere beim städtischen Verbraucher eine Rolle spielt, unabhängig von der wahren Zusicherung, dass keine Gefahr für die menschliche Gesundheit besteht.

Nun bringen wir noch den Ball ins Spiel, der mit der lästigen Zunahme des Widerstands gegen die „neue Weltordnung“, also den Globalismus, verbunden ist. Es gibt zu viele Verwerfungen, strukturelle Arbeitslosigkeit, dauerhaft gesunkene Lebensstandards, Besteuerung zur gezielten Drosselung des Verbrauchs von fossilen Brennstoffen (was die Mobilität bedroht) und Strom (was das Wohnen bedroht) etc. Bei uns entwickelte sich die Gelbwestenbewegung und ihre Entstehung war nicht nur eine Überraschung, sondern ihre Beharrlichkeit auch eine Warnung. Die Botschaft lautet: Der Mensch ist wichtiger als die Anschauungen. Bewegungen zur Bewahrung der kulturellen Identität und der Bruch der europäischen Vision, die zum Beispiel in Polen, Ungarn und Italien anschaulich zum Ausdruck kommt (ebenso wie der BREXIT mit noch sehr ungewissem Ergebnis), sowie der zunehmende Populismus in anderen Ländern wie Brasilien und den USA bringen den Welthandel langsam in erster Linie aufgrund der damit verbundenen Unsicherheit ins Stocken.

Fazit: In den vergangenen Tagen lag der Marktkonsens über die Spitzenpreise für Schweinefleisch in den USA erstmals seit November 2018 unter $80/cwt. Schlachtkörper (€1,54/kg). Das Preisgefüge zeigt eher den normalen saisonalen Anstieg für den Sommer, der langsam schwindet wie eine Fata Morgana, während wir uns allmählich auf sie zubewegen. Die Preisprognosen in den USA geben derzeit keine Hinweise auf mögliche Marktlagengewinne aus dem Export, die sich dieses Jahr aus einem starken Anstieg der Verkäufe aus den USA nach China ergeben könnten. Hoffentlich irre ich mich. Vielleicht zeigt sich dies erst im nächsten Jahr, aber viele neue Bälle zum Jonglieren müssen noch ins Spiel gebracht werden.

Schweinefleischexporte: Nicht nur ein Ball in der Luft

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