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Zeit vom Absetzen bis zur Deckung: mehr als nichtproduktive Tage

Die Zeit vom Absetzen bis zur Deckung steht nicht nur mit den Leertagen in Verbindung, sie kann auch größere Auswirkungen haben, als wir zunächst dachten.

Derzeit ist die Zeit vom Absetzen bis zur Deckung (ZAD) einer der wichtigsten Indikatoren, die die Leistung der landwirtschaftlichen Betriebe verdeutlichen. Diese Zeitspanne ist definiert als die Zeit zwischen dem Absetzen der Ferkel einer Sau und ihrer anschließenden Deckung, weshalb man immer versuchen wird diese Zahl weiter zu reduzieren, um eine möglichst niedrige Zahl unproduktiver Tage (Leertage) zu haben. Heute wissen wir, dass diese Zeitspanne nicht nur mit Leertagen zusammenhängt, sondern dass sie auch größere Auswirkungen haben kann, als wir zunächst dachten.

Bei der Analyse des Zeitraums vom Absetzen bis zur Deckung von insgesamt 481.288 Deckungen nach dem Absetzen durch Daten unserer Datenbank aus dem Jahr 2017 ergab sich die folgende Verteilung:

Grafik 1: Verteilung der Zeit vom Absetzen bis zur Deckung (ZAD) im Jahr 2017

Grafik 1: Verteilung der Zeit vom Absetzen bis zur Deckung (ZAD) im Jahr 2017

Wir können deutlich sehen, dass ein Zeitraum von 4 und 5 Tagen vom Absetzen bis zur Deckung (ZAD4 und ZAD5) mit einem Anteil von 48,75 % bzw. 28,1 % am häufigsten war. Die folgende Tabelle (Tab. 1) zeigt die Ergebnisse nach der Deckung dieser beiden Sauengruppen in Bezug auf die Abferkelrate (AR) und die Gebärfreudigkeit, die in der Gesamtzahl geborener Ferkel (GF) angegeben wird, beim folgenden Abferkeln. Zu sehen ist auch die Zusammensetzung jeder Gruppe: ihr Durchschnittsalter, das mit der durchschnittlichen Parität angegeben wird, und der Prozentsatz der erstgebärenden Sauen in jeder Gruppe.

Tabelle 1: Leistung nach der Deckung in Abhängigkeit der Zeitspanne vom Absetzen bis zur Deckung ( durchschnittliche ZAD: 5,7 Tage), Jahr 2017

AR GF Durchschnittliches Alter der Sau (Parität) % der erstgebärenden Sauen
ZAD4 89,5 15,.7 3,5 17,8%
ZAD5 87,4 14,9 3,3 23,4%

In Abhängigkeit des Zeitraums vom Absetzen bis zur Deckung können wir einen offensichtlichen Unterschied bezüglich der Gebärfreudigkeit feststellen, wobei die besseren Ergebnisse bei 4 Tagen (ZAD4) im Gegensatz zu 5 Tagen (ZAD5) verzeichnet wurden, eine Tatsache, die aus physiologischer Sicht zu erwarten war.

Als nächstes zeigen wir die Ergebnisse für die ZAD4- und ZAD5-Gruppen gemäß ihrer Parität (Tab. 2). Die Tiere wurden in 4 Gruppen unterteilt: Sauen der Parität 1 (erstgebärende Sauen), Parität 2, Parität 3-6 und Parität ≥ 7. Laut Tabelle erzielt die ZAD4-Gruppe bei allen Paritäten sowohl bei der Gebärfreudigkeit (0,7-0,9 Ferkel mehr) als auch bei der Abferkelrate (zwischen 1,3 und 2,8 % mehr) bessere Ergebnisse.

Tabelle 2: Leistung nach der Deckung in Abhängigkeit von der Parität und ZAD, 2017.

Parität 1
AR (%) GF Unterschied bei der Gebärfreudigkeit
ZAD 4 87,6 15,3 0,8
ZAD 5 85,2 14,5
Parität 2
AR (%) GF Unterschied bei der Gebärfreudigkeit
ZAD 4 90,3 16,1 0,9
ZAD 5 87,5 15,2
Parität 3-6
AR (%) GF Unterschied bei der Gebärfreudigkeit
ZAD 4 90,1 15,9 0,8
ZAD 5 88,5 15,1
Parität ≥ 7
AR (%) GF Unterschied bei der Gebärfreudigkeit
ZAD 4 87,8 14,5 0,7
ZAD 5 86,5 13,8

Um zu überprüfen, ob dieser Unterschied bei der Gebärfreudigkeit zwischen den ZAD4- und den ZAD5-Gruppen von der produktiven Leistung des Betriebs abhängt (gemessen als abgesetzte Ferkel/Sau und Jahr), bildeten wir auf Grundlage dieses Parameters zwei Untergruppen. Eine erste Gruppe bilden Betriebe mit einer Produktionskapazität von mehr als 30 abgesetzten Ferkeln/ Sau und Jahr (ASJ > 30), während eine zweite Gruppe die Betriebe beinhaltet, deren Produktivität unter 25 abgesetzten Ferkeln/ Sau und Jahr (ASJ < 25) liegt.

Was die Verteilung der Zeit vom Absetzen bis zur Deckung betrifft, so ist der folgenden Tabelle zu entnehmen, dass sich die größten Anteile in beiden Gruppen auf die Zeit vom Absetzen bis zur Deckung zwischen 4 und 5 Tagen konzentrieren. Außerdem konzentrieren sich in diesem Zeitraum bei den Betrieben mit abgesetzten Ferkeln/ Sau und Jahr > 30 78,4 % aller Deckungen, während sie bei den Betrieben mit abgesetzten Ferkeln/ Sau und Jahr < 25 67,0 % auf sich vereinen.

Grafik 2: Verteilung (%) der Zeit vom Absetzen bis zur Deckung unter Ber&uuml;cksichtigung der Leistung des Betriebs, Jahr 2017

Grafik 2: Verteilung (%) der Zeit vom Absetzen bis zur Deckung unter Berücksichtigung der Leistung des Betriebs, Jahr 2017

Als nächstes analysieren wir die Gruppen ASJ > 30 und ASJ < 25 separat. In der Gruppe ASJ > 30 (Tab. 3) ist ebenso wie in der gesamten Gruppe, die wir zuvor untersuchten, zu sehen, dass (mit Ausnahme der älteren Sauen mit ≥ 7 Paritäten) die Zeit vom Absetzen bis zur Deckung einen gewissen Einfluss auf die nachfolgende Abferkelrate sowie noch auffälliger auf die Gebärfreudigkeit beim folgenden Abferkeln (1,0-1,5 Ferkel mehr bei den ZAD4-Sauen) zu haben scheint.

Tabelle 3: ASJ > 30 (durchschnittliche ZAD: 5,2 Tage), Jahr 2017.

Parität 1
AR (%) GF Unterschied bei der Gebärfreudigkeit
ZAD 4 90,9 17,3 1,2
ZAD 5 89,1 16,1
Parität 2
AR (%) GF Unterschied bei der Gebärfreudigkeit
ZAD 4 91,8 18,2 1,5
ZAD 5 89,7 16,7
Parität 3-6
AR (%) GF Unterschied bei der Gebärfreudigkeit
ZAD 4 92,1 18,4 1,5
ZAD 5 91,0 16,9
Parität ≥ 7
AR (%) GF Unterschied bei der Gebärfreudigkeit
ZAD 4 88,3 17,1 1,0
ZAD 5 90,4 16,1

Bei den Betrieben mit < 25 ASJ (Tab. 4) sehen wir den gleichen Effekt und der Zahlenunterschied ist bei den jungen Sauen in Bezug auf die Abferkelrate größer und in Bezug auf die Gebärfreudigkeit geringer, wobei die Werte bei allen Paritäten im Allgemeinen ähnlich sind.

Tabelle 4: ASJ < 25 (durchschnittliche ZAD: 6,1 Tage), Jahr 2017

Parität 1
AR (%) GF Unterschied bei der Gebärfreudigkeit
ZAD 4 86,6 13,8 0,4
ZAD 5 81,2 13,4
Parität 2
AR (%) GF Unterschied bei der Gebärfreudigkeit
ZAD 4 88,1 14,6 0,3
ZAD 5 84,9 14,3
Parität 3-6
AR (%) GF Unterschied bei der Gebärfreudigkeit
ZAD 4 86,8 14,5 0,4
ZAD 5 85,7 14,1
Parität ≥ 7
AR (%) GF Unterschied bei der Gebärfreudigkeit
ZAD 4 86,5 13,2 0,3
ZAD 5 85,3 12,9

Obwohl wir immer noch auf eine statistische Analyse warten, die die Bedeutung der erhaltenen Ergebnisse bestätigt, geht aus unseren Analysen bereits hervor, dass die Zeit vom Absetzen bis zur Deckung in starkem Maße die Abferkelrate und die Gesamtzahl geborener Ferkel im folgenden Brunstzyklus bestimmt, wobei dies insbesondere für Hochleistungsbetrieben mit mehr als 30 abgesetzten Ferkeln pro Sau und Jahr gilt. Wenn wir außerdem auch berücksichtigen, dass die Zeit vom Absetzen bis zur Deckung zu Leertagen führt, besteht unabhängig von der Parität kein Zweifel daran, dass es unser Ziel sein sollte, die Sauen um den Tag 4 herum zu decken.

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