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Respiratorische Symptome und reproduktive Störungen auf einem Schweinebetrieb

In den Mastabteilen wurde chronischer Husten und Dyspnoe beobachtet. Antibiotische Behandlung war unwirksam. Die Mortalität bei den Mastschweinen lag bei 8%.

Informationen zum Betrieb

Zwischen Februar und Oktober 2013 kam es zu den ersten respiratorischen und reproduktiven Krankheitssymptomen. Der Betrieb wird als geschlossenes System geführt und liegt in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren.Die Sauenherde besteht aus 400 Tieren gemischter Rassen. Je Abteil werden etwa 55 Tiere gehalten. Die Ferkel werden mit 4 Wochen abgesetzt und in die etwa 30 Meter entfernte Ferkelaufzucht gebracht.In den Abferkelabteilen und der Ferkelaufzucht wird striktes Rein-Raus praktiziert. Alle 3 Monate wird eine Charge Jungsauen zur Remontierung zugekauft. Diese kommen von einem Jungsauenerzeuger und sind PRRS-frei. In der Quarantäne werden die Jungsauen gegen Influenza geimpft. Die Mastställe liegen etwa 8 Kilometer vom Hauptbetrieb entfernt, dort werden die Tiere mit 10 Wochen eingestallt.

Die Ferkel erhalten eine Schutzimpfung gegen Mycoplasma hyopneumoniae, Actinobacillus pleuropneumoniae and PCV2. Sauen werden gegen Parvovirose und Rotlauf, E.coli und Actinobacillus pleuropneumoniae geimpft.

Insgesamt ist das Biosicherheitslevel des Betriebes niedrig. Sauen und Absatzferkel werden von demselben Personal betreut. Das Personal der Masteinheit hat keinen Kontakt zu Sauen und Ferkeln. 500 Meter von dem Hauptbetrieb entfernt befindet sich ein Schlachthof.

Schweinebetrieb

Reproduktionsstörungen und Atemwegsproblematik

Der erste Betriebsbesuch fand im Februar 2013 statt. Im Abferkelbereich wurden mehrere Würfe untersucht. Viele der Ferkel hatten eine blasse oder gelbliche Hautfarbe. Es gab einige Fälle von totgeborenen Ferkeln oder mumifizierten Feten. In der Ferkelaufzucht konnte man respiratorische wie Dyspnoe und Husten beobachten. Ergebnisse von Sektionen und Labordiagnosen wiesen auf Infektionen mit Actinobacillus pleuropneumoniae, Streptococcus suis und Brachyspira hyodysenteriae hin.

In der Mastabteilen fiel ein chronischer Husten und Dyspnoe auf. Antibiotische Therapie zeigte keine Wirkung. Die Mortalitätsrate in der Mast lag bei circa 8%.

Die klinischen Symptome ließen PRRS vermuten, daher wurden Blutproben von 6 und 9 Wochen alten Ferkeln sowie 12,15,18 und 21 Wochen alten Mastschweinen genommen und mittels ELISA auf PRRS-Serokonversion getestet. In jeder Altersgruppe wurden Proben von 8 Tieren gewonnen. In allen Altersgruppen wurde eine Serokonversion nachgewiesen, somit wurde eine PRRS- Infektion der Herde bestätigt (Tabelle 1.1).

Tabelle 1.1. Zusammenfassung der serologischen Untersuchungen auf PRRSV.

Februar 2013
Alter Positiv Proben/Gesamt
1 Woche 6/8
6 Wochen 5/8
9 Wochen 8/8
12 Wochen 8/8
15 Wochen 8/8
18 Wochen 8/8
21 Wochen 8/8

Da die serologischen Untersuchungen und die klinische Beobachtung ebenfalls auf eine Infektion der Sauen hinwies, entschied man sich für eine Bestandsimpfung bei den Sauen mit einer modifizierten Lebendvakzine gegen PRRS. Diese wurde lediglich einmal verabreicht. Außerdem wurden Jungsauen 60 Tage vor der Eingliederung in die Herde geimpft. Die Ferkel erhielten am 10. Lebenstag eine Vakzinierung gegen PRRS.

Innerhalb der nächsten Monate besserte sich der Gesundheitsstatus in der Abferkelung und der Ferkelaufzucht. Allerdings wurde bei abortierten und anschließend pathologisch untersuchten Ferkeln im April 2013 PRRS-Virus nachgewiesen. Das Virus zirkulierte also immer noch in der Herde.

Im Juni 2013 wurde die Ferkelimpfung eingestellt, die Jungsauenimpfung wurde allerdings fortgeführt.

Mitte September 2013 wurden Blutproben von 14 Ferkeln mit einem Alter von 7-8 Wochen und 6 Mastschweinen mit einem Alter von 12 Wochen auf PRRS-Antikörper untersucht. Alle Ferkel und die meisten Mastschweine bis auf ein Tier wurden negativ getestet (Tabelle 1.2). Dies ließ darauf schließen, dass eine hohe Warscheinlichkeit bestand, dass in der Sauenherde kein Virus mehr zirkulierte und dass die produzierten Ferkel frei von PRRSV waren. Außerdem schien auch die Ferkelaufzucht frei von PRRSV zu sein. Der positive Befund bei dem Mastschwein ließ darauf schließen, dass das Virus aber nicht vollständig eliminiert war.

Tabelle 1.2. Zusammenfassung der serologischen Untersuchungen auf PRRSV.

Februar 2013 September 2013
Alter Positiv Proben/Gesamt Alter Positive Proben/Gesamt
1 Woche 6/8 7 Wochen 0/7
6 Wochen 5/8 8 Wochen 0/7
9 Wochen 8/8 12 Wochen 1/7
12 Wochen 8/8 - -
15 Wochen 8/8 - -
18 Wochen 8/8 - -
21 Wochen 8/8 - -

Neue Fälle von respiratorischen Störungen und Atemwegsproblematik

Ende September 2013 trat bei den Mastschweinen erstmals eine schwerwiegende Hustenproblematik auf. Daraufhin wurden 18 Blutproben von Sauen und Mastschweinen auf Influenza getestet. Auch Nasentupfer von hustenden Mastschweinen wurden auf Influenza getestet. Alle Ergebnisse waren negativ.

Ende Oktober begannen auch die Ferkel in der Ferkelaufzucht stark zu husten,hatten über 40 ºC Fieber und zeigten Inappetenz.Innerhalb von 2-3 Tagen zeigten alle Tiere einer Altersgruppe diese Symptome. Die kranken Tiere wurden mit Antipyretika und Doxycylin behandelt. Die Mortalität der Ferkel lag bei 3%. Erstmalig wurden auch Fälle der Glässerschen Krankheit beobachtet.

Eine Woche später begannen auch die Sauen zu husten, zwei Sauen und ein Eber verendeten.Drei Sauen abortierten. Die Fieberphase dauerte durchschnittlich drei Tage. Die Symptome zeigten innerhalb einer Zeitspanne von 2-3 Wochen alle Sauen, die Krankheit schien die Tiere zu überrollen.

Ende November und Dezember 2013 begannen auch die Mastschweine zu fiebern. Die durchschnittliche Tageszunahme sank von 830 Gramm auf 760 Gramm. Die Futterverwertung stieg auf 1:3,2. Die Mortalitätsrate lag bei circa 5%.

Tab. 2. Prozentsatz totgeborener Ferkel und Mumien zwischen August 2013 und März 2014.

08.2013 09.2013 10.2013 11.2013 12.2013 01.2014 02.2014 03.2014
Totgeburten % 5.5 5.43 7.38 6.33 7.0 5.37 5.63 4.68
Mumien % 0.97 0.80 0.73 1.22 2.77 2.19 2.17 3.59

Mit dem Auftreten von Fieber und Husten bei den Sauen verschlechterten sich die Reproduktionsparameter (Tabelle 2). Totgeburten stiegen im August und September auf 5,5%, weiter auf 7,38% im Oktober, 6,33% im November und erreichten im Dezember 7%. Auch der Anteil an mumifizierten Feten stieg von unter 1% im Oktober auf 2,77% im Dezember. Weiterhin wurden mehr Spreizer beobachtet. Im Februar 2014 begannen die reproduktiven Parameter, mit Ausnahme des Prozentsatzes an mumifizierten Feten, sich zu verbessern. Auch die respiratorischen Symptome waren verschwunden.

Auch wegen der Ähnlichkeit zu den im Februar 2013 beobachteten Symptome wurde PRRSV verdächtigt, diese Krankheitserscheinungen zu verursachen. Im frühen Februar 2014 wurden daher je 8 Blutproben von 1,4 und 7 Wochen alten Ferkeln mittels ELISA auf PRRS- Antikörper getestet. Spezifische Antikörper wurden bei 6 der 8 Ferkeln der eine Woche alten Ferkel nachgewiesen. Jeweils ein Ferkel aus den restlichen zwei Altersgruppen hatte PRRS- Antikörper ausgebildet (Tabelle 1.3). Auch wenn eine PCR in diesem Fall nicht durchgeführt wurde, sprach das Ergebnis nicht für eine Zirkulation von PRRSV bei den Sauen und Absatzferkeln.

Später im Februar wurden 8 Blutproben von 24 Wochen alten Mastschweinen auf PRRS- Antikörper untersucht, sieben davon waren positiv (Tabelle 1.3). Da diese Tiere nach dem Einstellen der Ferkelimpfung geboren wurden, war dies der Beweis für die Präsenz von PRRS-Virus bei den Mastschweinen.

Tabelle 1.3. Zusammenfassung der serologischen Untersuchungen auf PRRSV.

Februar 2013 September 2013 Februar 2014
Alter Positiv Proben/Gesamt Alter Positive Proben/Gesamt Alter Positive Proben/Gesamt
1 Woche 6/8 7 Wochen 0/7 1 Wochen 6/8
6 Wochen 5/8 8 Wochen 0/7 4 Wochen 1/8
9 Wochen 8/8 12 Wochen 1/7 7 Wochen 1/8
12 Wochen 8/8 - - 24 Wochen 7/8
15 Wochen 8/8 - - - -
18 Wochen 8/8 - - - -
21 Wochen 8/8 - - - -

Außerdem wurden die Blutproben auf Influenza untersucht, auch hier waren alle Proben positiv. Dies zeigt, dass die Influenzainfektion nach September 2013 stattgefunden haben muss, da die PCR zu diesem Zeitpunkt negativ ausgefallen war.

Anfang März 2014 wurden Lungen von drei Ferkeln, die vor dem Absetzen verendet sind, zur pathologischen Diagnose eingeschickt. Außerdem wurden Speichelproben von 7 Wochen alten Ferkeln sowie 10,13,16,19 und 25 Wochen alten Mastschweinen ins Labor geschickt (Tabelle 3).
Dieselben Blut- und Speichelproben wurden mittels PCR auf PRRSV untersucht. Einen positiven Nachweis gab es lediglich bei einem der zwei entnommenen Speichelproben bei den 10 Wochen alten Mastschweinen sowie in einer Poolserumprobe derselben Altersklasse. Auch beim Nachtesten von Serum dieser Tiere mittels ELISA zwei Wochen später wurden alle Schweine positiv getestet (Tabelle 3).

Tabelle 3. Zusammenfassung der PCR auf PRRSV (in Serum und Speichelproben) und Influenza (Lungen und Speichelproben) im März 2014. Serumproben wurden zur RNA-Gewinnung gepoolt. POS= positiv;NEG=negativ. POS 1/2 heißt, dass eine von zwei Proben in der PCR positiv war.

Material Ferkel 7 Wochen 10 Wochen 13 Wochen 16 Wochen 19 Wochen 24 Wochen
Flu PRRS Flu PRRS Flu PRRS Flu PRRS Flu PRRS Flu PRRS Flu PRRS
Lunge POS 2/3 NEG - - - - - - - - - - - -
Serum - - - NEG - POS 1/2 - NEG - NEG - NEG - NEG
Speichel - - POS 2/2 NEG POS 2/2 POS 1/2 POS 1/2 NEG POS1/2 NEG POS 1/2 NEG NEG NEG

Endgültige Diagnose

Die Ergebnisse der labordiagnostischen Untersuchungen erlauben einen Ausschluss von PRRSV als Auslöser für seit Oktober 2013 vorkommenden und bis Februar 2014 andauernden reproduktiven und respiratorischen Symptome. Der vorangegangene PRRS-Ausbruch im Betrieb konnte durch eine einmalige Bestandimpfung mit einer modifizierten Lebendvakzine bei den Sauen und einer Ferkelimpfung, die bis zum Juni 2013 durchgeführt wurde, unter Kontrolle gebracht werden. Die langsame Akklimatisierung der zugekauften Jungsauen war warscheinlich der Schlüssel zum Erfolg, trotz der offensichtlichen Eliminierung von PRRSV aus der Sauenherde und der Ferkelaufzucht wurde diese Maßnahme weitergeführt. Diese Maßnahmen waren allerdings nicht ausreichend, um PRRSV aus dem Betrieb zu eliminieren. Das Virus persistierte in den Mastschweinen. Interessanterweise zeigte eine spätere Überprüfung, dass lediglich Tiere aus dem älteren der beiden Mastställe infiziert waren. Das neuere Gebäude, welches an das ältere Gebäude angrenzt, wurde erstmalig belegt, nachdem die PRRS- Infektion aus der Ferkelaufzucht eliminiert war. Es blieb somit virusfrei.

Vor dem Auftreten der akuten klinischen Symptome in der zweiten Septemberhälfte 2013 war der Betrieb frei von Influenza. Also kann daraus geschlossen werden, dass die respiratorischen Symptome in dieser Zeitspanne nicht mit einer Influenzainfektion in Verbindung standen. Der spätere Nachweis von PRRSV bei den Mastschweinen lässt darauf schließen,dass dies ein Faktor, wenn nicht der Hauptfaktor für den Krankheitsausbruch vor dem Influenzageschehen im Oktober 2013 war.

Im Februar 2014 wurden Serumproben von Mastschweine positiv auf Antikörper gegen Influenza getestet. Das Virus wurde mittels PCR in Lungen toter Ferkel und Speichelproben von sowohl Ferkeln als auch Mastschweinen nachgewiesen. Dies lässt darauf schließen, dass das Influenzavirus am warscheinlichsten für die respiratorischen Symptome und die Reproduktionsstörungen verantwortlich war. Die akuten Krankheitsanzeichen bei den Mastschweinen könnten durch eine Koinfektion von PRRSV und Influenzavirus verursacht worden sein.

Daraus resultierend wurde eine Impfung der Sauen drei Wochen vor der Abferkelung eingeführt.

Schlussfolgerung

Das Influenzavirus repliziert sich in den epithelialen Zellen des Respirationstraktes und provoziert eine entzündliche Reaktion in der Lunge. Bei trächtigen Sauen kann es embryonalen und fetalen Tod in jeden Trächtigkeitsstadium auslösen. Die klinische Diagnose ist nicht immer eindeutig, daher wird der Nachweis des Influenzavirus bei Sauen mit Fieber mit Hilfe von Nasentupfern oder durch Beprobung von Lungen verendeter Schweine empfohlen. Die Diagnose im Speichel scheint eine gute Alternative zu Serumproben zu sein, da gleichzeitig auch andere im Respirationstrakt oder der Umgebung vorkommende Pathogene analysiert werden können. Die Gewinnung von Speichel ist einfacher, weniger arbeitsintensiv und bedeutet für die Tiere weniger Stress als die Blutentnahme.

Die außergewöhnlich schnelle Elimination des Virus aus der Sauenherde und der Ferkelaufzucht mit nicht sehr umfangreichen Impfmaßnahmen scheint überraschend- allerdings ist davon auszugehen, dass es bereits eine gewisse Herdenimmunität gegen PRRSV gab und das Impfprogramm nur geholfen hat, den Virus vollständig aus dem Bestand zu entfernen.

Für das vermehrte Auftreten von mumifizierten Feten sind warscheinlich nichtinfektiöse Ursachen verantwortlich.

Klinische Fälle

Akutmortalität durch Nitritvergiftung23-Jan-2018 vor 2 Monate 29 Tage

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