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PCV2 assoziierte Erkrankungen (PCVDs): Analyse der Risikofaktoren

Es konnte gezeigt werden, dass die Wirksamkeit der PCV2 Impfung stark eingeschränkt war, wenn bestimmte Maßnahmen oder Haltungsbedingungen vorlagen, wie z.B. ein vermehrtes Versetzen von Ferkeln, Neugruppierungen beim Absetzen oder sehr große Gruppen während der Aufzucht.

Montag 21 Oktober 2013 (vor 5 Jahre 8 Monate 24 Tage)
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Auschlaggebend bei der Dynamik der PCV2-Infektion ist das Alter der Tiere zum Zeitpunkt der Infektion

Es mehren sich die Hinweise, dass die Dynamik einer PCV2-Infektion innerhalb eines Bestand stark im Zusammenhang mit der Wahrscheinlichkeit eines PCVD-Ausbruches steht. Die ersten Fallstudien aus Frankreich (2000-2001) und Spanien (2002-2003) zeigten in Betrieben mit PCVD eine höhere Seroprävalenz an PCV2-positiven Schweinen im Alter von 12-13 Wochen im Vergleich zu nicht betroffenen Betrieben. Daraus lässt sich schließen, dass eine PCV2 Infektion im Durchschnitt bei Betrieben mit PCVD früher auftritt. Durch umfangreiche Langzeit-Studien konnte bestätigt werden, dass das Risiko der Schweine, an PCVD zu erkranken steigt, je früher sie sich mit PCV2 infizieren.. Der Zeitpunkt der Infektion ist dabei stark von der Aufnahme maternaler Antikörper über das Kolostrum abhängig. Die durch das Kolostrum erworbene Immunität kann das Ferkel gegen PCVD schützen und es konnte gezeigt werden, dass dieser Schutz von der Höhe des Antikörpertiters abhängt.

Zusätzlich wird durch die maternalen Antikörper maßgeblich die Ausbreitung des Virus zwischen den Tieren untereinander gesenkt. Damit wird die Wahrscheinlichkeit einer massiven Infektion in den Wochen nach dem Absetzen gesenkt.

PMWS und PDNS betroffene Ferkel

Tiere mit PMWS und PDNS

Co-Infektionen fördern PCV2-bedingte Erkrankungen

In der wissenschaftlichen Literatur wird über ein breites Spektrum an Infektionen berichtet, die neben PCVD auftreten. Die größte Rolle spielen dabei das Porzine Parvo-Virus (PPV), das PRRS-Virus und Mycoplasma hyopneumoniae. Diese Erreger konnten sowohl unter experimentellen als auch unter Praxisbedingungen PCV2-bedingte Organveränderungen verschlimmern und zu einem Anstieg von PCV2-bedingten Erkrankungen führen. Zwar sind die genauen Mechanismen noch nicht bekannt, allerdings scheint es möglich, dass diese Co-Infektionen allgemein zu einer unspezifischen Stimulation des Immunsystmes führen, wodurch die PCV2 Replikation in den Zielzellen begünstigt wird. In den Jahren Anfang 2000 wurde gezeigt, dass die Stimulation des Immunsystems im Zusammenhang mit einer PCV2-Infektion bei der Ausprägung einer klinischen Erkrankung eine Rolle spielt.

Diese Untersuchungen führten zu dem Schluß, dass eine PCV2-Vermehrung durch eine Stimulation des Immunsystems gefördert wurde, indem solche Zellen, wie Makrophagen in lymphatischen Geweben massiv stimuliert wurden. Da es nie gelang, typische PCV2-bedingte Erkrankungen wie PMWS durch eine alleinige Infektion mit PCV2 auszulösen und das Virus weltweit ubiquitär in der Schweinepopulation vorkommt, wurde vermutet, dass es einen auslösenden Faktor geben muss. Dieser wurde oft als "Faktor X" bezeichnet. Allerdings konnte ein solcher "Faktor X" nie nachgewiesen werden. Deshalb bleibt die Schlüsselrolle von PCV2 bei der Ausprägung von PCVD unverändert, wohingegen der "Faktor X" möglicherweise ein bereits bekannter Infektionserreger sein könnte, der aber nicht zwingenderweise überall der gleiche sein muss.

Vergrößerte inguinale Lymphknoten

Vergrößerte inguinale Lymphknoten

Management und Haltungsbedingungen beeinflussen direkt den Verlauf einer PCV2 Infektion und den klinischen Ausbruch

Seit dem Auftreten von PMWS und anderen PCV2 assoziierten Erkrankungen konnte anhand von vielen epidemiologischen Studien belegt werden, dass das Management, die Stalleinrichtung und die Haltungsbedingungen einen großen Einfluss auf die Ausprägung von PCV2-bedingten Erkrankungen haben. Dabei konnten folgende Zusammenhänge festgestellt werden:

  1. Stalleinrichtung: Großbuchten in den Aufzuchtställen, Buchtenwände mit Gitterstäben oder eine gemeinsame Güllegrube für mehrere Mastabteile stellen Risikofaktoren dar. Diese Bedingungen erhöhen die Wahrscheinlichkeit der PCV2 Ausbreitung innerhalb des Bestandes.
  2. Impfmaßnahmen: Eine Jungsauenimpfung gegen PRRSV und getrennte Impfungen gegen Erysipelothrix rhusiopathiae und Parvovirus schienen Risikofaktoren darzustellen, wohingegen eine Sauenimpfung gegen E. coli und Rhinitis atrophicans protektiv wirkte. Allerdings konnte bis heute nicht nachgewiesen werden, ob ein kausaler Zusammenhang zwischen dem Risiko von PCVDs und einigen Impfmaßnahmen besteht, oder ob sie vielmehr infolge von bestehenden Co-Infektionen auf den Betrieben entstehen, die die PCV2 Pathogenität steigern.
  3. Hygiene und Stallmanagement: Kurze Leerzeiten der Flatdecks und Abferkelabteile, vermehrte Neugruppierungen von Tieren (z.B. Versetzen von Ferkeln, Umgruppierungen beim Einstallen in die Aufzucht), frühes Absetzen (<21 Tage), Zukauf von Jungsauen, Verwendung des Spermas der bestandseigenen Eber und Sauen in schlechtem Allgemeinzustand (etliche Spritzabszesse aufgrund unkorrekter Injektionstechniken, selteneBehandlungen gegen Ektoparasiten) wurden außerdem als Risikofaktoren benannt.
  4. Biosecurity: Einduschmöglichkeiten und Bestandsbesuche nur von Personen, die etliche Tage keinen Kontakt zu Schweinen haben, stellten protektive Faktoren dar, wohingegen die Nähe zu anderen Schweinebetrieben als Risikofaktor gewertet wurde.

PCVD Risikofaktoren und möglicher Krankheitsverlaufs

Es gilt als wahrscheinlich, dass solche betriebseigenen Bedingungen sowohl direkt als auch indirekt Auslöser für eine massive PCV2 Vermehrung sein können. So konnte ein kürzlich durchgeführter Modellversuch zeigen, dass die PCV2-Dynamik in den Betrieben stark vom Herdenmanagement und von den Haltungsbedingungen abhängt.

Obwohl verschiedene PCV2 Impfstoffe verfügbar sind, deren Wirksamkeit gegen die klinischen Symptome und PCV2 Verbreitung in der Praxis bewiesen ist, sollten ein gutes Management und gute Haltungsbedingungen nie vernachlässigt werden. Es konnte nämlich gezeigt werden, dass die Wirksamkeit der Impfung bei suboptimalen Management- und Haltungsbedingungen wie z.B. ein vermehrtes Versetzen von Ferkeln, Neugruppierungen beim Absetzen oder sehr große Gruppen während der Aufzucht stark eingeschränkt war.

Man könnte behaupten, die PCVDs sind größtenteils "hausgemacht", denn das Virus war schon jahrzehntelang in den Betrieben verbreitet, bevor die Erkrankung irgendwann ausbrach. Diese Tatsache sollte nie vergessen werden, wenn man denkt, durch die Impfung und dessen Wirksamkeit könne man die gute landwirtschaftliche Praxis außer Acht lassen.

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