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Influenza-Ausbruch in einem PRRS und Mykoplasmen-stabilen Betrieb

Im Juli 2010 trat eine schwere Respirationskrankheit im Bestand auf: Husten bei den Jungsauen, Husten und Leistungsdepression bei den Mastschweinen, begleitet von einem Anstieg der Totgeburtenrate und mumifizierter Ferkel in einer Sauengruppe.

Montag 22 April 2013 (vor 4 Jahre 9 Monate 26 Tage)

Beschreibung des Bestandes

Der klinische Fall ereignete sich in einem französischen Betrieb mit 320 Sauen und angeschlossener Mast in der Bretagne. Der Bestand ist PRRS- und Mycoplasma hyopneumoniae-positiv und negativ auf Actinobacillus pleuropneumoniae und Rhinitis atrophicans.

Der Landwirt führt eine Eigenremontierung der Jungsauen (Large White x Landrasse) durch und produziert das Mischfutter selbst. Das Sperma wird kommerziell zugekauft (Pietrain-Eber).

Die Jungsauen und Sauen werden gegen PRRS (Lebendimpfstoff), Parvovirus, Rotlauf und Schweine-Influenza (bivalenter Impfstoff) geimpft. Die Ferkel erhalten eine einmalige Mykoplasmenimpfung beim Absetzen.

Das Absetzalter beträgt 28 Tage und die Abferkelungen finden im 3-Wochen-Rhythmus statt (7 Gruppen-Management-System).

Die Leistungen der Zuchtherde und der Mastschweine war bis Mitte 2010 sehr gut (Tabelle 1 und 2).

Tabelle 1: Leistungsparameter der Zuchtherde (vor dem Ausbruch) im Vergleich zu Referenzwerten in der Bretagne.

Herde 2009 Top 10 % in der Bretagne 2009
Abgesetzte Ferkel/Sau/Jahr 30,4 31,3
Gesamt geborene Ferkel 14,31 14,7
Abgesetzte Ferkel/Wurf 12,31 12,3
% Saugferkelverluste 9,2 % 10,6 %
% Totgeburtenrate 5,3 % 6 %
Konzeptionsrate 89,5 % 93,2 %

Tabelle 2: Leistungsparameter der Mastschweine (vor dem Ausbruch) im Vergleich zu Referenzwerten in der Bretagne.

Herde 2009 Top 10 % in der Bretagne 2009
Produzierte Schweine/Sau 24,8 24,5
Futterverwertungsrate 2,75 2,8
% Verluste von Absetzen bis Schlachtung 5,9 % 4,6 %
Tageszunahmen 30-115 kg 785 g 794 g

Unter Beachtung der klinischen Symptome und der serologischen Profile (alle Schweine wurden am Ende der Mastperiode serologisch negativ getestet) kann die Sauenherde sowohl als PRRS- als auch Mycoplasma hyopneumoniae-stabil angesehen werden.

Klinischer Ausbruch

Im Juli 2010 trat eine schwere Respirationskrankheit im Bestand auf: Die klinischen Symptome zeigten sich in Form von Husten bei den Jungsauen und Husten als auch Leistungsdepression bei den Mastschweinen. Dies wurde begleitet von einem Anstieg der Totgeburtenrate und mumifizierter Ferkel in einer Sauengruppe.

Wir führten eine Labordiagnostik wie folgt durch:

  • ELISA IDEXX PRRSV Serologie bei 15 zehn-Wochen-alten Ferkeln, fünf 160-Tage-alten Schweinen und fünf 180-Tage-alten Schweinen = Alle Ergebnisse waren negativ.
  • ELISA IDEXX Mycoplasma hyopneumoniae (M.hyo) Serologie bei fünf 160-Tage-alten Schweinen und fünf 180-Tage-alten Schweinen = Alle Ergebnisse waren negativ.
  • ELISA Influenza Serologie bei 15 zehn-Wochen-alten-Ferkeln, vier 160-Tage-alten Schweinen und fünf 180-Tage-alten Schweinen = 3/15 positiv mit 10 Wochen, 1/4 positiv mit 160 Tagen und 2/5 positiv mit 180 Tagen.
  • Diagnostische Tötung und Sektion eines 10-Wochen-alten Schweines: Die histopathologische Untersuchung stellte typische Influenza-Läsionen fest (ausgeprägte interstitielle Pneumonie, Bronchiolitis und sekundäre bakterielle Infektionen).

Lunge des sezierten 10-Wochen-alten Ferkels
Lunge des sezierten 10-Wochen-alten Ferkels

Als Reaktion auf den Influenza-Ausbruch entschieden wir, alle Sauen zweimal im Abstand von drei Wochen mit einem neuen trivalenten Impfstoff (H1N1, H1N2, H3N2) zu impfen und die betroffenen Schweine mit Aspirin oder Paracetamol zu behandeln.

Entwicklung des klinischen Falles

Eine Bestandsimpfung gegen Influenza wurde im August 2010 eingeführt. Serologische Analysen bei den Ferkeln zeigten eine gute Übertragung maternaler Antikörper gegen SIV von den geimpften Sauen.

Allerdings trat im November ein schweres Krankheitsbild mit verschiedenen klinischen Symptomen auf: kein Husten mehr bei den Sauen; dafür aber neonatale Diarrhoe, Streptokokkeninfektionen, Colibacillose und Husten bei jenen Schlachtschweinen, die von nicht-geimpften Sauen geboren wurden.

Dünndarm eines Ferkels mit Colibacillose Perikarditis im Zusammenhang mit einer Streptokokkeninfektion
Dünndarm eines Ferkels mit Colibacillose

Perikarditis im Zusammenhang mit einer Streptokokkeninfektion

Zusätzliche Laboruntersuchungen im November 2010 zeigten eine Ko-Zirkulation von PRRSV (Grafik 1) und Mycoplasma hyopneumoniae (Grafik 2) bei den Schlachtschweinen.

Ergebnisse der Idexx PRRS Serologie im November 2010.

Grafik 1: Ergebnisse der Idexx PRRS Serologie im November 2010.

Ergebnisse der Idexx Mhyo Serologie im November 2010.

Grafik 2: Ergebnisse der Idexx Mhyo Serologie im November 2010

Eine starke Destabilisierung der Herde bedingt durch PRRS und Mycoplasma hyopneumoniae war offensichtlich.

Gemeinsam mit dem Landwirt entschieden wir Folgendes zu tun:

  • Zweimalige Nachimpfung der gesamten Sauenherde und der Jungsauen mit einem PRRSV Lebendimpfstoff (3 Wochen zwischen den 2 Injektionen)
  • Behandlung der Jungsauen mit Makroliden (gegen die Mykoplasmeninfektion), bevor sie in die Sauenherde eintreten, um eine Zirkulation von Mhyo bei den Sauen zu vermeiden (zu diesem Zeitpunkt hatten wir keine klinischen Symptome bei den Sauen)
  • Verbesserung der internen Betriebshygiene
  • Serologische Verlaufsuntersuchungen bei Ferkeln, die von Sauen stammen, welche gegen Influenza und PRRS geimpft wurden

Grafik 3 zeigt die Entwicklung der serologischen Titer (gemessen mit Influenza ELISA) bei den Ferkeln, die von der ersten Sauengruppe stammen, welche mit dem trivalenten Influenza-Impfstoff geimpft wurden. Eine Zirkulation von Influenza konnte bei diesen Ferkeln nicht festgestellt werden.Entwicklung der ELISA Titer (Influenza Antikörper) bei zehn Ferkeln von geimpften Sauen

Grafik 3: Entwicklung der ELISA Titer (Influenza Antikörper) bei zehn Ferkeln von geimpften Sauen.

Interessant zu erwähnen ist, dass die ersten 5 Ferkel (901 bis 905) von Jungsauen und die anderen 5 von älteren Sauen stammen: Die Titer der ersten 5 Ferkel sind durchweg niedriger im Vergleich zu den anderen. Dennoch trat keine Rezirkulation von Influenza während der Mastperiode bei diesen Tieren auf.

Der wirtschaftliche Einfluss des Influenza-Ausbruches und der anschließenden Ko-Zirkulation von PRRSV und Mycoplasma hyopneumoniae war enorm, dargestellt in Tabelle 3 und 4 (Vergleichen Sie diese mit den Leistungen in Tabelle 1 und 2 vor dem Ausbruch).

Tabelle 3: Leistungsparameter der Zuchtherde (nach dem Ausbruch) im Vergleich zu Referenzwerten in der Bretagne.

Herde 2011 Top 10 % in der Bretagne
Abgesetzte Ferkel/Sau/Jahr 27,2 31,6
Gesamt geborene Ferkel 14,2 14,7
Abgesetzte Ferkel/Wurf 11,05 12,3
% Saugferkelverluste 14,8 % 10,6 %
% Totgeburtenrate 6 % 6,1 %
Konzeptionsrate 89,1 % 93,2 %

Tabelle 4: Leistungsparameter der Mastschweine (nach dem Ausbruch) im Vergleich zu Referenzwerten in der Bretagne.

Herde 2011 Top 10 % in der Bretagne
Produzierte Schweine/Sau 23 24,7
Futterverwertungsrate 2,74 2,8
% Verluste von Absetzen bis Schlachtung 6,9 % 5 %
Tageszunahmen 30-115 kg 755 g 796 g

Kommentare

Dieser Praxisfall beschreibt die Folgen eines Influenza-Ausbruches in einer Sauenherde mit angeschlossener Mast: Destabilisierung des Gesundheitsstatus des Bestandes und Begünstigung der Ko-Zirkulation von PRRSV und Mycoplasma hyopneumoniae, was zu starken Leistungseinbußen und damit verbundenen finanziellen Verlusten über ein ganzes Jahr führt.

Im Juli 2011 untersuchten wir den Bestand erneut serologisch auf PRRSV und Mycoplasma hyopneumoniae. Alle Proben waren dabei negativ, so wie vor dem Ausbruch.

Klinische Fälle

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