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Ungewöhnliche Symptome von Infektionen mit Strep suis

Es wurde berichtet, dass mindestens 25% der 2 bis 3 Wochen alten Ferkel lahmten, einige unter ihnen so stark, dass sie zitternd in den Hütten lagen und nicht aufstehen konnten.

Montag 14 März 2016 (vor 1 Jahre 11 Monate 7 Tage)

Infektionen mit Streptococcus suis sind eine allgemein anerkannte Krankheitsursache bei Ferkeln, die zu klinischen Symptomen führt, die von Gelenkentzündungen bis hin zu Meningitis und Septikämie reichen. Man geht außerdem auch davon aus, dass die genannte Infektion bei Ferkeln zu Polyserositis führt, wodurch Schäden entstehen, die sich bei der Schlachtung als Pleuritis, Perikarditis etc. zeigen.

Man kennt viele Stämme und Serotypen, deren Pathogenität als stark bis opportunistisch einzuordnen ist, wobei einige als rein kommensal gelten.

Strep. suis Typ 14 wurde in den letzten 25 Jahren in Großbritannien bei Ferkeln mit Polyarthritis (Gelenkentzündungen) in Verbindung gebracht, die bei 2-4 Wochen alten Saugferkeln oft zu dramatischen Ausbrüchen von Lahmheit führte. Diese Fallstudie beschreibt solch einen Ausbruch, der gravierende Folgen für die Schweine hatte.

 

Geschichte des Betriebs

Bei dem betroffenen Betrieb handelt es sich um einen Zuchtbetrieb mit 320 Sauen in Freilandhaltung. Die Sauen ferkelten im 3-Wochen-Rhythmus mit dem Ziel, 450 Ferkel pro Partie abzusetzen, obwohl ein nicht ganz so konsequentes System zur Deckung bedeutete, dass es über 14 Tage dauerte, bis die Sauen jeder Partie ferkelten. Dies hatte zur Folge, dass die Ferkel nach dem Absetzen 18 bis 35 Tage alt waren, bei einer Zielvorgabe des durchschnittlichen Alters von 26 Tagen.

Typical Outdoor farrowing system

Abb. 1: Typische Freilandanlage mit Abferkelhütten

Die Sauen wurden in Freilandgehegen durch künstliche Besamung in Gruppen gedeckt, wobei jede Partie in eine große und eine kleine Gruppe aufgeteilt wurde. Jungsauen wurden ebenso in Freilandgehegen durch künstliche Besamung gedeckt und der Reihe nach (alle 3 Wochen) in die Abferkelgruppen aufgenommen. Bei den Jungsauen erfolgte keine Synchronisation der Brunst.

Der Gesundheitszustand des Betriebs war mäßig, M. hyopneumoniae, PRRS und PCVAD wurden festgestellt und beim Absetzen erfolgte eine routinemäßige Impfung gegen M. hyo und PCV2. Die Produktivität des Betriebs war mit einer Abferkelrate, die durchweg unter 80% lag, einem Abferkel-Index von bestenfalls 2,2 und durchschnittlich 9,5 abgesetzten Ferkeln pro Wurf in einem Zeitraum von 12 Monaten mäßig. Diese Partien umfassten beim Absetzen selten mehr als 400 Schweine.

Die Sauen ferkelten in Abferkelhütten im Freilandgehege ab, in dem sich 12 Tiere befanden, und die Jungsauen in individuellen Gehegen.

Der Betrieb war 4 Jahre zuvor auf einer früher als Ackerland genutzten Fläche aufgebaut worden. Es gab einen einzigen erfahrenen Viehpfleger, der sich in Vollzeit um die Schweine kümmerte. Unterstützt wurde er dabei durch die stundenweise Aushilfe durch den Eigentümer und einen Feldarbeiter, die beide nicht über frühere Erfahrungen in der Schweinehaltung verfügten. Die Remontierung von Jungsauen erfolgte alle 2 Monate aus derselben Quelle, aus der ursprünglich auch der Tierbestand aufgebaut worden war.

Nach dem Absetzen kamen die Sauen wieder ins Deckzentrum/ trockenes Gehege und die Ferkel wurden auf 4 Ferkelgehege in Gruppen von jeweils 100+ aufgeteilt, in denen sie 38 Tage lang blieben. Danach kamen sie als eine Gruppe in ein großes, mit Stroh ausgelegtes Gehege, in dem sie weitere 20 Tage verbrachten, woraufhin sie diesen Betrieb verließen, um an einen gesonderten Mastbetrieb verbracht zu werden. Das Starterfutter für die abgesetzten Ferkel enthielt 3,1 kg Zinkoxid pro Tonne, aber ansonsten wurden keine weiteren Antimikrobiotika verabreicht.

Outdoor Cosikennels holding pigs from weaning to 9 weeks old

Abb. 2: Ferkelgehege, in denen Schweine nach dem Absetzen bis zum Alter von 9 Wochen gehalten wurden.

 

Anfängliche Probleme

Gespräche mit dem Viehpfleger und die Prüfung der Behandlungsprotokolle legten den Schluss nahe, dass das erste Problem dieses Falls in Partie 66 auftrat, in dem die Mortalitätsrate von durchschnittlich 14% der lebend geborenen Schweine auf 18% anstieg. Außerdem waren ca. 20 Schweine aus verschiedenen Würfen in der Partie mit Penicillin/ Streptomycin-Injektionen gegen Gelenkentzündungen behandelt worden. Die Reaktion auf die Behandlung war schlecht. Als Partie 67 ferkelte, wurde nach Rücksprache mit dem örtlichen Tierarzt die Behandlung auf Ampicillin umgestellt, das den erkrankten Schweinen, die ab dem Alter von 2 Wochen lahmten, injiziert wurde. Die Anzahl der betroffenen Tiere in Partie 67 ähnelte den Zahlen in Partie 66, aber als Partie 68 das Mindestalter von 2 Wochen erreichte, stieg die Zahl der betroffenen Tiere drastisch an, woraufhin der Tierarzt gerufen wurde.

Acute case of Strep suis type 14 in a 2week old piglet

Abb. 3: Akuter Fall von Strep. suis Typ 14 bei einem 2 Wochen alten Ferkel.

Es wurde berichtet, dass mindestens 25% der 2 bis 3 Wochen alten Ferkel lahmten, einige unter ihnen so stark, dass sie zitternd in den Hütten lagen und nicht aufstehen konnten. Die Reaktionen auf die Ampicillin-Injektionen in der vorhergehenden Partie waren besser, weshalb zur umfassenden Impfung aller Ferkel in Partie 68 geraten wurde. Die nachfolgenden Behandlungsprotokolle zeigten, dass die Mortalitätsrate der Ferkel bis zum Absetzen in Partie 68 über 20% lag, sich die Tiere, die nicht starben, aber gut erholten. Proben, die nach dem Tod der erkrankten Ferkel dieser Partie von den Gelenken entnommen wurden, ergaben bei 4 aus 9 Proben einen positiven Befund auf Strep. suis Typ 14. Es war nicht klar, wie viele der Proben von den behandelten Schweinen stammten.

Ähnliche Ausmaße der Krankheit traten in darauffolgenden Partien auf, woraufhin dieselben Behandlungsmethoden angewandt wurden. Als jedoch Partie 68 aus den Ferkelgehegen in das Strohgehege verlegt wurde, traten dramatische Komplikationen auf, woraufhin umgehend eine zweite Meinung eingeholt wurde.

Weaners transferred into large straw yard for 2 weeks before dispatch

Abb. 4: Die abgesetzten Ferkel kamen 2 Wochen vor ihrem Abtransport in ein großes, mit Stroh ausgelegtes Gehege.

 

Bei der Erkrankung auftretende Komplikationen

Das Verlegen der Schweine in das Strohgehege erfolgte in 4 Gruppen mithilfe eines Viehanhängers. Die ersten zwei Gruppen wurden ohne Probleme aus den Ferkelgehegen aufgeladen. Als jedoch die zweite Gruppe abgeladen war, wurde festgestellt, dass ca. 6 Schweine der ersten Gruppe in dem Gehege auf einem hinteren Bein vollkommen lahm waren. Nachdem die zweite Gruppe abgeladen war, rannten die Tiere ins Stroh und jagten wie üblich herum. Der Viehpfleger war überzeugt davon, dass alle Schweine gesund waren, als sie den Anhänger verließen, aber innerhalb von wenigen Minuten lahmten mindestens 10 weitere Schweine überwiegend auf einem einzigen Bein stark.

Es wurde sofort dazu geraten, das Verlegen der Schweine zu stoppen und der Tierarzt kam innerhalb von 3 Stunden.

Bis zu seiner Ankunft waren 19 erkrankte Ferkel mit einem Gewicht von ca. 20 bis 25 kg von der Hauptgruppe getrennt worden. Die klinische Untersuchung zeigte, dass bis auf zwei Tiere alle auf einem einzigen Hinterbein vollständig lahm waren. Ein Ferkel saß im Hundesitz und das andere war auf seinem rechten Vorderlauf vollständig lahm. Die manuelle Untersuchung der Hüfte und der Kniegelenke ergab, dass jedes Ferkel an einem der Gelenke eine instabile Fraktur aufwies. Das Schwein, das im Hundesitz saß, hatte beidseitige Oberschenkelfrakturen.

Alle Schweine wurden umgehend eingeschläfert.

Fractured head of the femur from affected pig

Abb. 5: Gebrochener Oberschenkelkopf eines erkrankten Schweins (links) und normaler Oberschenkelknochen (rechts)

Ganzer Oberschenkelkopf am oder unter dem Knochenende gebrochen, mit Schwellungen um die Frakturstelle aufgrund einer Knochenhautentzündung.

Abb. 6: Ganzer Oberschenkelkopf am oder unter dem Knochenende gebrochen, mit Schwellungen um die Frakturstelle aufgrund einer Knochenhautentzündung.

Die Untersuchung der beiden Ferkelgruppen, die noch im Ferkelgehege waren, zeigten keine offensichtlichen Zeichen von Lahmheit und die dritte Partie wurde vorsichtig entladen und in das Strohgehege geführt. Als sie abgeladen wurden und die Rampe hinunter ins Stroh rannten, fielen einige Tiere auf ihre Hinterbeine und standen danach wieder auf, hielten aber ein Bein hoch. 4 Schweine aus dieser Gruppe wurden mit Frakturen eingeschläfert. Die vierte Gruppe ließ man nicht direkt ins Strohgehege laufen und wurde kontrollierter abgeladen. Man führte die Tiere in einen kleinen Pferch und bei keinen von ihnen wurde Lahmheit festgestellt.

 

Obduktion

15 der eingeschläferten Schweine wurden einer Obduktion unterzogen. Alle Körperhöhlen der untersuchten Tiere waren unauffällig.

In allen Fällen wurden an den Röhrenknochen der betroffenen Beine großflächige Blutungen festgestellt. Die Oberflächen der Oberschenkelknochen in der Nähe der Bruchstelle (proximal oder distal) waren im Allgemeinen unter den Epiphysenfugen, die offensichtlich mit Spontanfrakturen einhergingen, aufgeraut und geschwollen.

Anschließende Laboruntersuchungen zeigten keine aktiven Infektionen, aber eine großflächig entstehende Periostitis mit Verknöcherung.

 

Empfohlenes Vorgehen

Die verbleibende Ferkelgruppe der Partie wurde nach 2 Stunden in das Hauptgehege entlassen und ein einziges Schwein erlitt eine Spontanfraktur. Insgesamt wurden 26 Tiere aufgrund von Frakturen gekeult, bevor die Partie 3 Wochen später nach einer Gabe von wasserlöslichem Aspirin verkauft wurde.

Die folgende Partie, die nach 3 Wochen abgesetzt wurde (69), und die noch abzusetzende Partie (70) erhielten ca. 14 bzw. 38 Tage lang Futter mit Zugabe von Penicillin V und 7 Tage lang Aspirin über das Trinkwasser. Säugende Sauen wurden über das Futter auch mit Trimethoprim/ Sulfadiazin behandelt.

Eine Befragung des Viehpflegers ergab, dass die meisten Ferkel in den Abferkelgehegen, bei denen eine Behandlung erforderlich war, aufgrund des hohen Arbeitsanfalls/ des Zeitmangels/ der Schwierigkeiten die Tiere einzufangen oder zu behandeln nur eine einzige Dosis kurzfristig wirkendes Ampicillin erhalten hatten.

Die Behandlung wurde auf LA Amoxycillin mit mindestens zwei Dosen im Abstand von 48 Stunden umgestellt.

Nach Beginn der Behandlung traten nach dem Absetzen weder in den Partien 69 und 70 noch in den folgenden Partien Probleme auf. Die Würfe von Sauen, die ab dem Abferkeln Arzneimittel enthaltendes Futter erhalten hatten, verzeichneten einen starken Rückgang der klinischen Gelenkentzündungen (ab Partie 72). Drei Monate später wurde die Gabe von Antibiotika über das Futter eingestellt, was zu keinen erneuten Ausbrüchen der Krankheit führte. Die Behandlung mit Aspirin wurde ebenso eingestellt und es wurde dazu geraten, den Deckungsplan zu straffen, um die Abweichungen des Alters der Ferkel beim Absetzen zu reduzieren.

 

Diskussion

Die ungewöhnlichen und dramatischen Ausbrüche spontaner Frakturen der Röhrenknochen bei Mastferkeln konnten nicht eindeutig erklärt werden. Es wurde jedoch angenommen, dass sie mit Polyarthritis aufgrund früherer Infektionen mit  Strep. suis Typ 14 der Schweine in Verbindung standen, die nicht adäquat behandelt worden waren. Wahrscheinlich konnte eine einzige kurz wirkende Dosis Ampicillin, die zwar ausreichte, um die akute Lahmheit der Ferkel im Alter von 14 bis 21 Tagen zu lindern, die Infektion nicht vollständig ausmerzen. Die Infektion war offenbar von den Gelenkschleimhäuten in das Knochenhautgewebe eingedrungen und führte zu einer Schwächung unter dem Knochenende und infolgedessen in dem Moment zur Fraktur, als die Schweine nach dem Transport aktiver wurden.

Die meisten Frakturen betrafen den proximalen oder den distalen Oberschenkelknochen, aber es ist immer noch unerklärlich, warum andere Knochen nicht betroffen waren.

Klinische Fälle

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