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Im Schlachthof festgestellte Prävalenz von Läsionen bei leichten und schweren Absetzferkeln

Perikarditis im Schlachthof

Perikarditis im Schlachthof

Die Prävalenz von Läsionen durch Mykoplasmenpneumonie und Perikarditis war trotz des besseren Produktionssystems der niedrigeren Gewichtsgruppe deutlich höher bei Absetzferkeln mit einem geringeren Gewicht im Vergleich zu ihren schwereren Altersgenossen.

Dienstag 27 Dezember 2016 (vor 1 Jahre 1 Monate 25 Tage)

Einleitung

Dieser Fallbericht erfasst die Tendenzen bei Läsionen, die von Oktober 2014 bis April 2016 bei Tieren eines Betriebs mit 280 Sauen in einem Schlachthof in Irland festgestellt wurden. In dieser Zeit wurden große Unterschiede beim Ausmaß der pathologischen Läsionen in Zusammenhang mit dazu im Gegensatz stehenden Impfplänen gegen Mycoplasma hyopneumoniae (M. hyo) und unterschiedlichen Produktionssystemen festgestellt.

 

Produktionssystem

Der Betrieb besteht aus zwei Produktionsstandorten. Die Aufzucht erfolgt an Standort 2. An den Standorten 1 und 2 sind sowohl Absetzferkel als auch Mastschweine untergebracht. Jede Woche werden ca. 160 Schweine im Alter von durchschnittlich 28 Tagen abgesetzt. 50% der abgesetzten Ferkel werden in den Stall für Absetzferkel an den Aufzuchtort (Standort 2) gebracht, während die anderen 50% in einen externen Stall für Absetzferkel und anschließend in einen Stall für Mastschweine an Standort 1 kommen. Vom Aufzuchtort werden die Schweine in 8 von 10 Wochen am Ende der Absetzphase des Produktionszyklus in Ställe für Mastschweine (Standort 1) gebracht. In 2 von 10 Wochen werden die Tiere in den Stall für Mastschweine am Aufzuchtort (Standort 2) verlegt.

Die Anordnung des Produktionssystems mit zwei Standorten und der Durchlauf der Schweine werden in Abbildung 1 dargestellt.

Abbildung 1: Schematische Darstellung des Durchlaufs von Schweinen in einem Produktionssystem mit zwei Standorten.
Abbildung 1: Schematische Darstellung des Durchlaufs von Schweinen in einem Produktionssystem mit zwei Standorten.

Gesundheitsstatus

Der Betrieb ist mit M. hyo, PRRS, PCV2 und Schweineinfluenza infiziert.

 

Gesundheitsplan: Hygiene, Impfung und Behandlungsprotokolle

In der ersten Phase werden die Ställe der Absetzferkel zwischen den einzelnen Partien gewaschen und desinfiziert. In der zweiten Phase werden die Ställe der Absetzferkel und Mastschweine zwischen den einzelnen Partien gewaschen, aber nicht desinfiziert.

Die Ferkel werden gegen M. hyo (eine Impfung bis Dezember 2014 und zwei weitere Impfungen nach Dezember 2014), PRRS und PCV2 geimpft.

Das Beifutter, das in den ersten 7-14 Tagen nach dem Absetzen gegeben wird, enthält Amoxicillin und Zinkoxid. Das Übergangsfutter enthält Zinkoxid. Dem Futter für Absetzferkel und Mastschweine werden keine Arzneimittel zugesetzt.

Die 2015-2016 durchgeführten Hygiene-, Impf- und Behandlungsprogramme werden in Tabelle 1 beschrieben.

Tabelle 1: Hygiene-, Impf- und Behandlungsprogramme 2015-2016.

  STANDORT 2 Sauen+S+A+M (Saugferkel + Absetzferkel + Mastschweine) SITE 1 W+F
Weaning age 28 Tage
Hygiene  
A1 Waschen/ Desinfizieren
A2/ Mastschweine Waschen
Impfplan Mykoplasma (7+28 Tage)
PRRS (14 Tage)
PCV2 (28 Tage)
Arzneimittelzusatz im Futter  
Beifutter Amoxicillin, ZnO
Übergangsfutter ZnO

 

Überwachung des Schlachthofs 2014-2015

Im Oktober 2014 erfolgte im Schlachthof als Reaktion auf einen Anstieg der im Betrieb festgestellten Atemwegserkrankungen ein Gesundheitscheck von AIMS (Agrihealth Inspection and Monitoring Service). Der Anteil der untersuchten Schweine mit Mykoplasmenpneumonie-Läsionen (50%) und der Durchschnittswert pro Schwein (4,3 nach der Goodwin-Methode) war hoch. Die Beteiligung von M. hyo wurde durch die histopathologische Untersuchung von Formalin-fixierten Proben von Lungenläsionen bestätigt. Die Prävalenz von Pleuritis war niedrig.

Der Impfplan gegen M. hyo wurde überprüft. Das bestehende Programm der einmaligen Impfung wurde durch eine zweimalige Impfung ersetzt, bei der die Schweine im Alter von 7 und von 28 Tagen geimpft wurden.

Routinemäßige AIMS-Kontrollen waren alle sechs Monate vorgesehen und fanden zum ersten Mal im April 2015 statt, als die letzten Schweinepartien, die nach dem alten Impfplan geimpft worden waren (einmalige Impfung), verkauft werden konnten.

56% der im April 2015 untersuchten Lungen wiesen Mykoplasmenpneumonie-Läsionen mit einem durchschnittlichen Pneumonie-Wert von 5,9 auf. Diese Ergebnisse ähnelten den Ergebnissen der vorhergehenden Untersuchung, die im Oktober 2014 durchgeführt worden war.

Im Oktober 2015 erfolgte die erste Untersuchung von Schweinen, die nach dem neuen M. hyo-Impfplan (zweimalige Impfung) geimpft worden waren. Es wurde eine deutliche Reduzierung der Erkrankung an Mykoplasmenpneumonie festgestellt (Anteil der geschädigten Lungen 35%, durchschnittlicher Pneumonie-Wert 1,4).

Das Auftreten von Mykoplasmenpneumonie, Pleuritis und Perikarditis, das von AIMS (Agrihealth Inspection and Monitoring Service) im Zeitraum von Oktober 2014-2015 erfasst wurde, ist in Abbildung 2 dargestellt. Die 2014 und 2015 untersuchten Schweine stammten alle vom Standort 1, dem externen Zucht- und Mastbetrieb.

Abbildung 2: Ergebnisse der Überwachung des Schlachthofs 2014-2015 bei gemischter Belegung (Mast am Standort 1, aber Absetzphase entweder an Standort 1 oder Standort 2).

Abbildung 2: Ergebnisse der Überwachung des Schlachthofs 2014-2015 bei gemischter Belegung (Mast am Standort 1, aber Absetzphase entweder an Standort 1 oder Standort 2).

 

Überwachung des Schlachthofs 2016

Eine weitere Untersuchung durch AIMS erfolgte im April 2016. Bei dieser Gelegenheit wurden Schweine sowohl von Standort 1 (externer Zucht- und Mastbetrieb) als auch von Standort 2 (Aufzuchtort) untersucht. Die Schweine von Standort 1 kamen nach dem Absetzen hierher. Beim Auftreten von Mykoplasmenpneumonie und Perikarditis konnte bei Schweinen verschiedener Quellen ein deutlicher Unterschied festgestellt werden, wobei bei den Schweinen aus Standort 2 das Ausmaß von Pneumonie (Faktor 50) und Perikarditis (Faktor 4) höher war. Die Prävalenz von Pleuritis war bei den Schweinen aus beiden Standorten niedrig.

Die Ergebnisse von AIMS für Oktober 2015 und April 2016 sind in Abbildung 3 dargestellt.

Abbildung 3: Ergebnisse der Überwachung des Schlachthofs für gemischte Belegung (Oktober 2015) und Standort 1 und 2 (April 2016).

Abbildung 3: Ergebnisse der Überwachung des Schlachthofs für gemischte Belegung (Oktober 2015) und Standort 1 und 2 (April 2016).

 

Unterschiede zwischen den Produktionssystemen von Standort 1 und 2

Der deutliche Unterschied bezüglich des Auftretens von Pneumonie und Perikarditis, das bei Schweinen der verschiedenen Produktionssysteme erfasst wurde, war überraschend. Die höheren Krankheitszahlen bei Schweinen des Aufzuchtorts (Standort 2) im Vergleich zu Schweinen des externen Betriebs (Standort 1) ergaben sich trotz der Tatsache, dass die Schweine am Aufzuchtort eine bevorzugte Ernährung, Unterbringung und Pflege erhielten.

Nach weiteren Untersuchungen stellte man den Grund für die Abweichungen bei den Krankheitszahlen fest. Beim Absetzen wurden die Schweine basierend auf ihrem Gewicht in zwei Gruppen aufgeteilt. Die Auswahl erfolgte nach visuellen Kriterien, da die Schweine nicht routinemäßig gewogen wurden. Die leichtesten 50% der Schweine behielt man am Aufzuchtort (Standort 2) und die schwersten 50% der Schweine wurden zum Standort 1 gebracht. Die Begründung für dieses Verfahren bestand darin, dass die leichteren Schweine am Aufzuchtort eine bessere Ernährung, Unterbringung und Pflege erhalten würden.

Abbildung 4 gibt die zuvor in Abbildung 3 dargestellten Daten wieder, wobei die Angaben ‘Standort 1’ und ‘Standort 2’ durch die Bezeichnungen ‘schwer’ und ‘leicht’ ersetzt wurden.

Abbildung 4: Ergebnisse der Überwachung des Schlachthofs für gemischte Belegung (Oktober 2015) und schwere und leichte Schweine (April 2016).

Abbildung 4: Ergebnisse der Überwachung des Schlachthofs für gemischte Belegung (Oktober 2015) und schwere und leichte Schweine (April 2016).

 

Tendenzen der Überwachung von AIMS

AIMS erfasst und analysiert die im Schlachthof bei den Veterinärkontrollen der geschlachteten Schweine gesammelten Informationen und berichtet darüber. So können im Laufe der Zeit bei einzelnen Betrieben auftretende Tendenzen aufgezeigt oder Ergebnisse mit denjenigen anderer Betriebe, die demselben Eigentümer gehören, oder mit der gesamten Schweineindustrie verglichen werden. AIMS erleichtert die Überwachung der gesundheitlichen Trends in der Schweineindustrie im Laufe der Zeit. Die Tendenzen der Erkrankungen an Mykoplasmenpneumonie, Pleuritis und Perikarditis wurden in der Zeit vom Januar 2014 bis zum Mai 2016 von unserer Veterinärpraxis bei allen irischen Schweinebetrieben untersucht. Es stellte sich heraus, dass sich in diesem Zeitraum der prozentuale Anteil der Schweine mit Perikarditis-Läsionen von 4,5% auf 9% verdoppelte.

Die Trends bei Pneumonie, Pleuritis und Perikarditis sind in Abbildung 5 dargestellt.

Abbildung 5: Tendenzen von Erkrankungen in der irischen Schweineindustrie, die 2014-2016 im Schlachthof festgestellt wurden.

Abbildung 5: Tendenzen von Erkrankungen in der irischen Schweineindustrie, die 2014-2016 im Schlachthof festgestellt wurden.

 

Schlussfolgerungen

Nach der Umstellung des Impfplans einer einmaligen auf die zweimalige Impfung gegen Mycoplasma wurde in diesem Betrieb eine bessere Kontrolle der Mykoplasmenpneumonie erreicht.

Die Prävalenz von Läsionen durch Mykoplasmenpneumonie und Perikarditis war trotz des besseren Produktionssystems für die niedrigere Gewichtsgruppe deutlich höher bei Absetzferkeln mit einem geringeren Gewicht im Vergleich zu ihren schwereren Altersgenossen.

Perikarditis-Erkrankungen sind in irischen Schweinebetrieben, die von 2014 bis 2016 unter dem AIMS-System untersucht wurden, um 100% (von 4,5 auf 9%) angestiegen.

 

Diskussion

Das höhere Auftreten von Pneumonie und Perikarditis bei leichten Absetzferkeln in diesem Betrieb führte trotz der bevorzugten Behandlung, die sie nach dem Absetzen erhielten, zu weiteren Diskussionen mit dem Betriebsinhaber über den besten Umgang mit den leichten Schweinen. Wir waren uns einig, dass jegliche Maßnahmen, die das Geburts- oder Absetzgewicht erhöhen würden, von Vorteil wären.

In diesem Betrieb lag das durchschnittliche Gewicht einer Zufallsstichprobe von 20 Schweinen mit geringerem Gewicht beim Absetzen bei 6 kg. Obwohl der Unterschied der Erkrankungsrate von Pneumonie (Faktor 50) und Perikarditis (Faktor 4) zwischen den beiden Gewichtsgruppen hoch war, war die absolute Erkrankungsrate bei Pneumonie in der niedrigeren Gewichtsgruppe noch akzeptabel. Da sich das Absetzgewicht der leichteren Schweine nicht auf einem kritisch niedrigen Niveau befand und die Erkrankungsraten bei der Schlachtung nicht außergewöhnlich waren, kamen wir zu der Überzeugung, dass es nicht notwendig war, Änderungen am derzeitigen Produktionssystem vorzunehmen. In anderen Betrieben mit geringerem Absetzgewicht und höheren Erkrankungsraten wären solche Maßnahmen jedoch zu rechtfertigen.

In den vergangenen Jahren wurde in vielen schweineerzeugenden Ländern, einschließlich Irland, eine Zunahme der Wurfgröße festgestellt. Dies hatte die Geburt einer zunehmenden Zahl leichter Schweine zur Folge, die ein eher nicht optimales Absetzgewicht haben. Meines Erachtens ist die Geburt leichterer Schweine der entscheidende Faktor für den Anstieg der Perikarditis-Erkrankungen, die seit 2014 in irischen Schlachthöfen festgestellt wurden.

Perikarditis kann durch zahlreiche Bakterien, wie z. B. Haemophilus parasuis, Streptococcus suis und Mykoplasma hyorhinis verursacht werden, die alle auch zu Polyserositis führen können. In diesem Fall und in Irland im Allgemeinen haben jedoch Betriebe mit hoher Perikarditis-Prävalenz Pleuritis- oder Peritonitis-Erkrankungsraten, die generell nicht über dem Durchschnitt liegen. Es kann eine Herausforderung sein, die Infektionserreger, die in betroffenen Betrieben für Perikarditis verantwortlich sind, zu identifizieren. Deshalb kann es produktiver sein, sich auf Maßnahmen zu konzentrieren, durch die sich das Geburts- und Absetzgewicht erhöht, und kleine Ferkel nach dem Absetzen zu unterstützen, als ein besonderes Augenmerk auf die Bekämpfung von Perikarditis zu richten. Weitere Untersuchungen der Ursachen von Perikarditis als spezifische Einheit anstatt als Teil des Krankheitskomplexes der Polyserositis mögen jedoch gerechtfertigt sein.

Klinische Fälle

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