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Grundlegende Probleme eines APP-Ausbruchs in einem neu gegründeten Betrieb in China

In modernen, neu gegründeten Betrieben kann der Infektionsdruck von Atemwegserkrankungen im Winter geringer sein, da sie normalerweise über gute Lüftungsanlagen verfügen. In dem hier beschriebenen klinischen Fall handelt es sich jedoch um einen APP-Ausbruch in einem neuen Betrieb mit moderner Lüftungsanlage.

Freitag 23 März 2018 (vor 3 Monate 26 Tage)

Einleitung

Die chinesische Schweineindustrie durchläuft derzeit einen tiefgreifenden Modernisierungsprozess. Da die Umweltpolitik immer strenger wird und es einen harten Wettbewerb gibt, verschwinden viele kleine Betriebe, während große Unternehmen expandieren und viele moderne Anlagen errichten. Neu gegründete Betriebe haben jedoch mit den Herausforderungen schwerer Krankheiten wie z. B. PRRS, Aujeszkysche Krankheit (AK), Porzine Epidemische Diarrhö (PED), klassische Schweinepest (KSP), APP etc. zu kämpfen. Diese Krankheitserreger sind in China noch nicht ausgerottet.

Im Gegensatz zu den alten Betrieben mit herkömmlicher Ausstattung kann der Infektionsdruck von Atemwegserkrankungen in modernen, neu gegründeten Betrieben im Winter geringer sein, da sie normalerweise über gute Lüftungsanlagen verfügen. In dem hier beschriebenen klinischen Fall handelt es sich jedoch um einen APP-Ausbruch in einem neuen Betrieb mit moderner Lüftungsanlage.

Beschreibung des Betriebs

Dieser Aufzucht- und Mastbetrieb mit 1200 Sauen war ein neu gegründeter Betrieb in einem ländlichen Berggebiet mit niedriger Schweinedichte und strengen Biosicherheitsrichtlinien, deren Ziel darin bestand, den Betrieb frei von PED-, PRRS-, PRV-, CSF-, APP-Infektionen oder Infektionen durch Mycoplasma hyopneumoniae etc. zu halten. Zwar lief der Betrieb seit September 2017 in voller Produktion, aber das System der Gülleentsorgung war noch nicht fertiggestellt.

Ausbruch der Krankheit

Der Betriebsleiter kontaktierte den Tierarzt, da es einige klinische Probleme bei tragenden Sauen gab, die als kurzer Husten mit Atembeschwerden und einem plötzlichen Anstieg der Sterblichkeit beschrieben wurden. Vom 8. bis zum 10. Dezember starben insgesamt 17 tragende Sauen. Die betroffenen Sauen öffneten ihr Maul zum Atmen, bevor sie starben (Video 1). Eine tragende Jungsau zeigte Blutungen aus der Nase und Bauchatmung (Video 2). Fast alle toten Tiere hatten Nasenbluten und eitrigen Nasenausfluss (Abb. 1). 9 tote Sauen gehörten zur Partie der 35. und 36. Woche, die in der Mitte des Stalls untergebracht war (Abb. 2). Ca. 25 % der tragenden Sauen waren krank, hatten keinen Appetit, Fieber bis zu 40,5 °C und zeigten Bauchatmung.

Video 1: Die tragende Sau hatte Atembeschwerden und zeigte Bauchatmung mit offenem Maul, um besser atmen zu können.

Video 2: Die tragende Jungsau hatte Nasenbluten und zeigte Bauchatmung.

Abb. 1: Totes Schwein mit eitrigem und blutigem Nasenausfluss

Abb. 1: Totes Schwein mit eitrigem und blutigem Nasenausfluss

Sektionsbefunde

Fünf tote tragende Sauen wurden seziert. Die Sektionsbefunde aller Tiere waren ähnlich und zeigten dunkle, feste, klar abgegrenzte Läsionen in den Ober-, Mittel- und Unterlappen der Lunge. Zwei Sauen zeigten fibrinöse Pleuritis und Perikarditis (Abb. 3). Alle hatten petechiale Blutungen am Herzen (Abb. 4). An Maul und Nasenlöchern war blutiger Schaum zu sehen.

Abb. 3 - 4: Fibrinöse Pleuritis und Perikarditis (links). Petechiale Blutungen am Herzen (rechts).

Abb. 3 - 4: Fibrinöse Pleuritis und Perikarditis (links). Petechiale Blutungen am Herzen (rechts).

Untersuchung der Risikofaktoren

Bevor die zu ergreifenden Maßnahmen bestimmt wurden, untersuchte man die Risikofaktoren für die Atemwegserkrankungen.

Tiere: Es wurde kein Zusammenhang mit der Sauenrasse festgestellt.

Umgebung: Keine Sauen im Abferkelstall zeigten klinische Anzeichen, aber alle betroffenen Tiere waren im Wartestall der tragenden Sauen untergebracht, was auf einen klaren Zusammenhang mit dem Stallmanagement hindeutete. Die Luftqualität in den Abferkelställen war viel besser als im Wartestall der tragenden Sauen. Im Wartestall gab es keine Heizung, was im Winter zu einer Reduzierung der Luftwechselrate führte.

Lokalisierung: Die kranken Tiere konzentrierten sich in der Mitte des Wartestalls, wo die Güllekonzentration in der Nähe der Spalten sehr hoch und der Ammoniakgehalt hoch genug war, um die Augen zu reizen, während die Güllekonzentrationen in den anderen Buchten im Vergleich dazu nicht so hoch waren.

Futter: Das Futter für die tragenden Sauen wurde von pelletiertem auf geschrotetes Futter umgestellt. Die Rückmeldung der Mitarbeiter lautete, dass diese Umstellung den Staubgehalt im Stall erhöht hatte.

Wasser: Die Wasserquelle im Wartestall war die gleiche wie die in den anderen Ställen und die Wasserrohre wurden routinemäßig gereinigt.

Diagnose

Nach den klinischen Anzeichen von hohem Fieber, Bauchatmung, Appetitlosigkeit, blutigem/ eitrigem Nasenausfluss bei allen toten Sauen und aufgrund der Sektionsbefunde, die fibrinöse Pleuritis und Perikarditis zeigten, lautete die vorläufige Diagnose APP, woraufhin man den entsprechenden Behandlungsplan erstellte. Die histopathologische Untersuchung der Lunge zeigte Alveolen voller Flüssigkeit und die Ansammlung von Entzündungszellen, was auf eine bakterielle Pneumonie hinwies (Abb. 5). Die bakteriologische Untersuchung der Kulturen des Lungengewebes bestätigte APP.

Abb. 5: Alveolen voller Flüssigkeit und Ansammlung von Entzündungszellen

Abb. 5: Alveolen voller Flüssigkeit und Ansammlung von Entzündungszellen

Massnahmen

Einsatz von Antibiotika: Die erste Anweisung an die Mitarbeiter des Betriebs lautete, allen kranken Sauen Ceftiofur zu injizieren. Da die Sterblichkeitsrate der Sauen nicht zurückging, stattete der Tierarzt dem Betrieb einen Besuch ab. Während seines Besuchs und nach der Einschätzung, dass 25 % der Sauen krank waren, wurden alle Tiere im Wartestall sofort mit Ceftiofur behandelt und an den folgenden beiden Tagen wurde Penicillin verabreicht. Amoxicillin wurde 7 Tage lang über das Wasser verabreicht.

Belüftung: Die eingestellte Raumtemperatur wurde schrittweise von 15 °C auf 10 °C reduziert, um die Belüftung zu verbessern.

Bau: Das System der Gülleentsorgung war komplett fertiggestellt, auch wenn dies unter finanziellem Druck geschah und die Gülle unter den Spalten entfernt werden musste.

Impfung: Zur langfristigen Bekämpfung der Krankheit schlug man vor, eine umfassende Massenimpfung mit einem APP-Impfstoff durchzuführen. Der erste Impfstoff wurde am 17. Dezember injiziert und 3 Wochen später erfolgte eine Wiederholungsimpfung.

Nach der Massenimpfung des Sauenbestands mit Ceftiofur beim Besuch des Tierarztes gab es bei den Sauen bislang keine weiteren Verluste mehr.

Diskussion

Der Betriebsleiter kontaktierte den Tierarzt wegen des plötzlichen Todes von 6 Sauen am 8. Dezember und vor dem Besuch des Betriebs wurde auf Grundlage der klinischen Symptome, die ein starkes Indiz für eine APP-Infektion waren, ein Notfallplan aufgestellt. Dieser Notfallplan sah den Einsatz von Ceftiofur vor, mit dem alle kranken Tiere behandelt werden sollten, und die Verabreichung von Amoxicillin über das Wasser. Die Sterblichkeitsrate der Sauen war jedoch immer noch außer Kontrolle, weshalb der Tierarzt den Betrieb besuchte.

Während seines Besuchs stellte er fest, dass nach den Behandlungsunterlagen nur etwa 10 Sauen mit Ceftiofur behandelt worden waren, obwohl etwa 250 tragende Sauen krank waren, was zum Zeitpunkt seines Besuchs 25 % aller tragenden Sauen entsprach.

Der Grund, warum so viele kranke Sauen nicht behandelt worden waren, lag nicht nur darin, dass es neue Mitarbeiter mit wenig Erfahrung bei der Beobachtung der Tiere gab, sondern war auch darauf zurückzuführen, dass diese Mitarbeiter Bedenken hinsichtlich der Kosten für die Ceftiofur-Injektionen hatten, die etwa 40 RMB/Kopf (ca. 6 $/Kopf) betrugen.

Da die Schweineindustrie in China derzeit ausgebaut wird und mehr neue Betriebe errichtet werden, gibt es einen großen Bedarf an Schulungen für alle neuen Mitarbeiter in China. Außerdem besteht die traditionelle Meinung des Gesundheitsmanagements in der chinesischen Schweinehaltung darin, den Schweinen routinemäßig niedrige Dosen Antibiotika zu verabreichen und zu versuchen, den Herausforderungen und möglichen Infektionsrisiken, mit denen der Betrieb konfrontiert ist, entgegenzuwirken. Die Antibiotikaresistenz und Produktionsergebnisse verschlechtern sich jedoch immer mehr und die Kosten für die Medikamente steigen.

Wie man in der chinesischen Schweinehaltung Antibiotika vernünftig und angemessen einsetzt, ist immer noch ein Problem, über das man sprechen muss.

Schlussfolgerungen

APP ist in China weder eine neue Krankheit, noch ist sie im Vergleich zu PRRS, AK, PED, KSP etc. die schlimmste Krankheit. Dennoch zeigt die Tatsache, dass das große Problem und die Produktionsverluste, die wir in diesem Fall gesehen haben, hätten vermieden werden können, das zugrunde liegende Problem der Ausbildung neuer Mitarbeiter und die Notwendigkeit eines korrekten Konzepts für den Einsatz von Medikamenten in China.

Klinische Fälle

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