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ASF in chinesischem Schweinebetrieb

Dieser klinische Fall beschreibt, wie ein Expertenteam aus Tierärzten nach der Entdeckung einer großen Anzahl toter und verendender Schweine in den Ställen über einen Zeitraum von 4 Tagen die Afrikanische Schweinepest diagnostizierte.

Montag 29 Oktober 2018 (vor 23 Tage)
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Beschreibung des Betriebs

Der Betrieb, in dem diese Fallstudie durchgeführt wurde, ist ein großer Zuchtbetrieb in einem Gebiet mit hoher Schweinebesatzdichte im Nordosten Chinas (Dongbei) in der Nähe von Shenyang in der Provinz Liaoning. Er wurde vor 3 Jahren auf einem großen Einzelstandort innerhalb eines abgegrenzten und umzäunten Gebiets in Neubauten eingerichtet.

Die Ferkel aller Jungsauen und Sauen werden im Alter von 21 Tagen abgesetzt und dann in benachbarten Aufzuchtställen aufgezogen. Im Alter von etwa 10 Wochen werden die Ferkel in separate Mastställe verlegt. Der Betrieb verfügt über eine große Belegschaft. Es gibt auch ein kleines Team von Experten und Tiermedizinern und einigen externen Beratern. Der Betrieb kaufte Mischfutter von einem großen Futtermittelhersteller. Mastschweine werden vor Ort an Lebendviehmärkte, Händler und Schlachthöfe verkauft. Alle toten Schweine werden von lokalen Firmen mit Lastwagen abgeholt und entsorgt.

Die Zucht- und Jungsauen wurden mit handelsüblichen Impfstoffen gegen E. coli, Parvovirus, Erysipel und Leptospirose geimpft. Ferkel wurden zu verschiedenen Zeitpunkten im Alter von 2 bis 8 Wochen mit handelsüblichen Impfstoffen gegen Pseudowut (Aujeszky-Krankheit), Mykoplasmen und MKS (Maul- und Klauenseuche) geimpft.

Wie bei vielen Betrieben in China war die Sterblichkeitsrate in der Aufzuchtphase mit meist 8 bis 15 % vor allem auf PRRS und damit verbundene sekundäre Erkrankungen zurückzuführen. Die Sterblichkeitsraten in den Mast- und Zuchtställen waren in der Regel deutlich geringer (0 bis 3 %).

Abbildung 1: Betroffener Betrieb in der Provinz Liaoning

Abbildung 1: Betroffener Betrieb in der Provinz Liaoning

Abbildung 2: Typische Unterbringung eines Zucht- und Mastschweins in dem betroffenen Betrieb

Abbildung 2: Typische Unterbringung eines Zucht- und Mastschweins in dem betroffenen Betrieb


Entstehung des Falls

Von Mai bis Juni 2018 wurde der Zuchtbetrieb wieder mit mehreren Partien eingehender Jungsauen bis zu insgesamt 4.500 adulten Schweinen (älter als 3 Monate) aufgefüllt. Diese Partien von Schweinen waren durch verschiedene Viehtransporte von lokalen Zuchtbetrieben aus dem Nordosten des Landes angeliefert worden.

Vom Mai bis zum 14. August 2018 wurden 18 der 4.500 Schweine aufgrund verschiedener endemischer Probleme (weniger als 1 Tier pro Woche) entweder gekeult oder waren verendet.

Am 15. August wurden mehrere Schweine in einem Gebäude mit hohem Fieber und blutigen Absonderungen vorgefunden; 3 Tiere waren tot.

Am 16. August wurden 10 kranke Schweine mit 8 toten Tieren registriert.

Am 17. August wurden 150 kranke Schweine mit 23 toten Tieren registriert.

Am 18. August wurden 300 kranke Schweine mit 26 toten Tieren registriert.

Am 19. August wurden insgesamt 615 kranke Schweine mit 88 toten Tieren gezählt.

Dieser klinische Fall entwickelte sich somit schnell mit einer großen Anzahl toter und verendender Schweine, die von den Mitarbeitern innerhalb eines Zeitraums von 4 Tagen in den Ställen entdeckt wurden.

Abbildung 3: Zahlreiche tote und verendende Schweine im betroffenen Betrieb

Abbildung 3: Zahlreiche tote und verendende Schweine im betroffenen Betrieb

Ein Expertenteam aus Tierärzten wurde in die betroffenen Ställe geschickt, in denen die toten und kranken Schweine gefunden worden waren. Das Team bestätigte klinisch, dass die verbliebenen Schweine in der Regel träge und depressiv waren und sich zusammenkauerten. Diese Schweine hatten oft sehr hohes Fieber bei 41° - 42° C. Die Klauen sahen normal aus. Viele Schweine zeigten Schaumabsonderungen aus der Nase, die in vielen Fällen blutiges Material enthielten. Einige Schweine hatten blutigen Ausfluss aus ihrem After. Viele Schweine hatten Schwierigkeiten beim Atmen und lagen oft auf der Seite, da sie versuchten, ihre Atmung zu verbessern. Einige Schweine zeigten eine gelbsüchtige Gelbfärbung ihrer Haut und der Schleimhäute. Viele Schweine hatten punktuelle Blutungen (Petechien) in der Haut über ihrem Thorax und Bauch.

Abbildung 4: Blutiger Schaum beim Nasenausfluss eines betroffenen Schweins

Abbildung 4: Blutiger Schaum beim Nasenausfluss eines betroffenen Schweins

Das Team führte bei mehreren betroffenen Schweinen eine komplette Sektion durch. Dabei konzentrierte man sich auf die frischen akuten Fälle. In den meisten Lymphknoten der sezierten Schweine gab es zahlreiche eingesprengte Blutungen. So ähnelten die Mesenteriallymphknoten einer Reihe großer lila Trauben.

Die Luftröhre und Bronchien wiesen große Mengen schaumiger ödematöser Flüssigkeit mit geringen Anteilen von Blut auf, wodurch sich die Quelle des Nasenausflusses bestätigte. Die Lungen zeigten einige diffuse Stauungen und Ödeme, waren aber ansonsten normal.

Leber und Milz waren beide deutlich vergrößert. Die Gallenblase zeigte augenfällige starke dunkle Blutungen. Die Vergrößerung der Milz war durchweg massiv. Sie hatte eine feste harte Textur und das 4- bis 6-Fache der normalen Größe.

Im Bauch gab es etwas Aszitesflüssigkeit. Bei der Sektion wurden auch die durch Petechien und Gelbsucht verursachten Hautläsionen festgestellt.

Abbildung 5: Sektionsbefunde bei betroffenen Schweinen. Man beachte die deutlich vergrößerte Leber und Milz.

Abbildung 5: Sektionsbefunde bei betroffenen Schweinen. Man beachte die deutlich vergrößerte Leber und Milz.

Abbildung 6: Sektionsbefunde bei betroffenen Schweinen. Man beachte die Blutungen in den Mesenteriallymphknoten.

Abbildung 6: Sektionsbefunde bei betroffenen Schweinen. Man beachte die Blutungen in den Mesenteriallymphknoten.

Die Mitarbeiter des Betriebs verabreichten den Tieren über das Futter und Wasser Antibiotika, was aber ohne erkennbare Wirkung blieb.

Differentialdiagnose für das Auftreten der hohen Sterblichkeitsraten bei älteren Schweinen

Die Fallstudie schien nicht zu einem toxischen oder physikalischen Problem wie beispielsweise einem Stromschlag zu passen. Das Auftreten hoher Sterblichkeitsraten in Gruppen älterer Schweine kann durch mehrere maßgebliche Infektionserreger verursacht werden. Die Befunde der Lungen unterstützten die Diagnose einer durch Actinobacillus pleuropneumoniae hervorgerufenen APP-Infektion nicht. Weitere mögliche Ursachen für eine hohe Sterblichkeit könnten hochpathogene PRRS und das Circovirus zusammen mit sekundären Infektionen oder andere Krankheitserreger wie die klassische Schweinepest aufgrund des Pestivirus sein. Die Befunde mit schwerem hämorrhagischem Fieber und massiver Splenomegalie deuten jedoch sehr auf die Afrikanische Schweinepest (ASF) hin.

Die Krankengeschichte, die klinischen Symptome und die Sektionsbefunde weisen darauf hin, dass ein pathogener Stamm der afrikanischen Schweinepest (ASF) den Betrieb in den Wochen vor dem Anstieg der Sterblichkeitsraten befallen hatte.

Weitere Untersuchungen und ergriffene Maßnahmen

Die Region Dongbei in China hat durch die Landesgrenze direkte Verbindungen mit Russland, das zahlreiche Ausbrüche von ASF aufgrund des Georgien-Stamms hatte. Die Ausbrüche in Russland gingen von Betrieben aus, die sich in der Nähe der Häfen des Schwarzen Meeres befanden und in denen von der Schifffahrt stammende Lebensmittelabfälle an Schweine verfüttert wurden. Die Analyse des chinesischen ASF-Stamms wies darauf hin, dass er mit dem Georgien-Stamm identisch ist. Es ist daher wahrscheinlich, dass die Infektion in diesem Betrieb in Dongbei von den Handels- und LKW-Routen in benachbarte Betriebe und diesen Betrieb stammte, der Gegenstand dieser Fallstudie ist.

Das ASF-Virus ist ein großes und komplexes DNA-Virus mit mehreren äußeren Schichten und zahlreichen Mechanismen, die darauf abzielen, eine Immunreaktion im Wirtsschwein zu vermeiden.

Die Entwicklung eines Totimpfstoffs oder eines Subunit-Impfstoffs zur ASF-Kontrolle ist daher wahrscheinlich von geringem Nutzen. Strategien zur Entwicklung eines geeigneten attenuierten Lebendimpfstoffs waren bisher noch nicht erfolgreich.

Der Schlüssel zur ASF-Kontrolle beruht derzeit auf der Eliminierung des gesamten Bestands der betroffenen Betriebe und der Vermeidung neuer Fälle durch strikte Biosicherheit. Das ASF-Virus wird meist über den Kontakt mit infizierten Schweinen (einschließlich Wildschweinen) oder Schweineprodukten wie Schweinefleisch oder Schlachtnebenerzeugnissen verbreitet. Es gibt nur wenige Wildschweine in der Region von Dongbei, die hingegen häufiger in südchinesischen hügeligen Gebieten anzutreffen sind.

Klinische Fälle

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