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Ballaststoffe im Futter sind wichtig für die Geburtsleistung und die Kolostrumproduktion

Die Ballaststoffe im Futter verbessern die Kolostrumproduktion von Sauen und tragen dazu bei, die Länge der Geburt zu verringern. Aber wie viel Gramm Ballaststoffe werden in der letzten Woche vor der Geburt empfohlen?

Mittwoch 11 September 2019 (vor 3 Monate)
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In den letzten 5 Jahren wurden deutliche Fortschritte hinsichtlich der Klärung der Frage gemacht, wie wir Sauen um den Abferkeltermin besser füttern sollten. Dabei scheinen Ballaststoffe im Futter aus vielen Gründen vorteilhaft für die Produktivität der Sau zu sein. Derzeit wird empfohlen, die Sauen in der letzten Woche vor dem Abferkeln mit 500 bis 600 Gramm Ballaststoffen pro Tag zu versorgen.

Die Aufnahme von Kolostrum durch die Ferkel ist zur Sicherung ihres Überlebens entscheidend und die Fütterung der Sau mit dem Ziel, eine hohe Kolostrumproduktion zu ermöglichen, ist ein Weg, das Überleben von Neugeborenen zu verbessern und gleichzeitig den Arbeitsaufwand zu verringern. Bisher war man allgemein der Meinung, dass Kolostrum vollständig produziert wurde und zum Säugen zur Verfügung stand, sobald das erste Ferkel geboren war. Im Gegensatz zu unserer früheren Überzeugung hat eine neue Studie, die an der Universität Aarhus in Dänemark durchgeführt wurde, ergeben, dass Laktose und Fett in Kolostrum tatsächlich produziert werden, während die Ferkel gesäugt werden, ebenso wie die Milch während der Laktation produziert wird (Feyera et al., 2019). Obwohl der Energiebedarf geringer ist als für die Milchproduktion, ergab unsere Studie, dass für diesen Prozess zusätzlich zu den 2 kg, die für den Grundumsatz notwendig sind, mindestens weitere 1,5 kg Futter benötigt werden. Die Ballaststoffe im Futter verringern zwar in der Regel den Energiegehalt des Futters, aber sie können die Kolostrumaufnahme durch die Ferkel und die Kolostrumproduktion der Sauen verbessern, wenn die tragenden Sauen damit gefüttert werden (Theil et al., 2014), wie in Abbildung 1 zu sehen ist. Die Wirkungsweise der Ballaststoffe scheint zu einer größeren Fetteinlagerung im Fettgewebe der Milchdrüse zu führen, was eine Voraussetzung für das Wachstum des mamillarischen Parenchymgewebes (des Milch produzierenden Epithels) ist. Positive Effekte wurden beobachtet, wenn Ballaststoffe aus Zuckerrübenschnitzeln oder Pektinrückständen im Futter enthalten waren, aber aus unbekannten Gründen regten Ballaststoffe aus Kartoffelpülpe die Kolostrumproduktion nicht an, obwohl die Löslichkeit der Ballaststoffe so hoch ist wie bei den Zuckerrübenschnitzeln.

Abbildung 1: Eine ausreichende Kolostrumaufnahme ist entscheidend, damit neugeborene Ferkel am Leben bleiben, und einige Ballaststoffquellen (z. B. Zuckerrübenschnitzel und Pektinrückstände) können die Kolostrumproduktion der Sau stimulieren. In dieser Studie wurde die Kolostrumaufnahme mit Isotopen gemessen.

Abbildung 1: Eine ausreichende Kolostrumaufnahme ist entscheidend, damit neugeborene Ferkel am Leben bleiben, und einige Ballaststoffquellen (z. B. Zuckerrübenschnitzel und Pektinrückstände) können die Kolostrumproduktion der Sau stimulieren. In dieser Studie wurde die Kolostrumaufnahme mit Isotopen gemessen.

Der Geburtsvorgang ist für das Überleben der Ferkel wichtig und eine ausreichende Energieversorgung der Sauen ist von entscheidender Bedeutung, um die Geburtsdauer und Zahl der totgeborenen Ferkel zu reduzieren (Feyera et al., 2018), wie in Abbildung 2 zu sehen ist. Um sicherzustellen, dass die Sauen während des Geburtsvorgangs nicht zu erschöpft sind, werden zwar drei tägliche Mahlzeiten empfohlen, aber in Betrieben, in denen es nicht möglich ist, mehr als zweimal pro Tag zu füttern, kann die Zugabe von Ballaststoffen zum Futter in den letzten zwei Wochen vor der Geburt die Häufigkeit totgeborener Ferkel verringern (Feyera et al., 2017). Der Grund dafür ist, dass Ballaststoffe im Enddarm fermentiert werden und ihre Fermentation eine konstantere Energieaufnahme aus dem Magen-Darm-Trakt sicherstellt und zu einem stabileren Blutzuckerspiegel beiträgt, auch wenn die Sauen während der Geburt nicht in der Lage sind zu fressen.

Abbildung 2: Die Geburtsdauer wird stark verlängert, wenn die Energie der Sauen aufgebraucht ist. Der Plasmaglukosewert liegt normalerweise konstant bei 4,5 (zwischen 4 bis 5) mmol/l, aber kurz nach der Fütterung wird dieser Wert überschritten und, falls der Glykogenspeicher in der Leber erschöpft ist, kann er sich mehrere Stunden nach der Fütterung außerhalb der empfohlenen Werte befinden.

Abbildung 2: Die Geburtsdauer wird stark verlängert, wenn die Energie der Sauen aufgebraucht ist. Der Plasmaglukosewert liegt normalerweise konstant bei 4,5 (zwischen 4 bis 5) mmol/l, aber kurz nach der Fütterung wird dieser Wert überschritten und, falls der Glykogenspeicher in der Leber erschöpft ist, kann er sich mehrere Stunden nach der Fütterung außerhalb der empfohlenen Werte befinden.

Verstopfung bei Sauen ist problematisch, weil Kot im Dickdarm den Geburtskanal physisch blockieren und verhindern kann, dass die Ferkel schnell genug geboren werden, um am Leben zu bleiben. Interessanterweise sind die Ballaststoffe auch in dieser Hinsicht vorteilhaft, weil sie die Beweglichkeit des Darms fördern und Verstopfung verhindern. Letzteres ist auf die Wasserbindungskapazität von Ballaststoffen zurückzuführen (Zhou et al., 2018a), die die Weichheit des Kots erhöht und das Verstopfungsrisiko minimiert.

Die Gesundheit von Sauen rund um die Geburt scheint auch bei Sauen, die mit Ballaststoffen gefüttert werden, besser zu sein, obwohl diese Einschätzung lediglich auf Rückmeldungen von Landwirten und nicht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruht. Der reduzierte Bedarf an Geburtshilfe bei der Fütterung von Ballaststoffen an Sauen kann dazu beitragen zu erklären, wie die Gesundheit der Sauen verbessert werden kann, da die Geburtshilfe immer mit einem erhöhten Infektionsrisiko verbunden ist. Die Eigenschaften der Ballaststoffe unterscheiden sich je nachdem, aus welchen Futtermittelbestandteilen sie stammen. Eine häufig verwendete Ballaststoffquelle für Sauen sind Zuckerrübenschnitzel, die von den Sauen stark fermentiert werden können. Die Fermentierbarkeit von Ballaststoffen ist ein wichtiges Merkmal von Ballaststoffquellen, insbesondere um die Geburtsdauer und Zahl der totgeborenen Ferkel zu reduzieren. Das Hinzufügen von Enzymen, die in der Lage sind, Nicht-Stärke-Polysaccharide abzubauen, kann eine Möglichkeit sein, die Energieverdaulichkeit des Futters zu verbessern (Zhou et al., 2018b), und erlaubt gleichzeitig die Gabe von gröberem Futter, was von entscheidender Bedeutung ist, wenn es darum geht, Magengeschwüre zu verhindern.

Die optimale Fütterung von Sauen um den Abferkeltermin ist eine Frage des Verständnisses des Energiebedarfs von Sauen und der Bereitstellung ausreichender Energiemengen, um die Produktion von Kolostrum und ein schnelles Abferkeln zu ermöglichen. Die Ad-Libitum-Fütterung der Sauen scheint jedoch nicht die Lösung zu sein, weil sie den Darminhalt im Enddarm erhöhen und physisch die Geburt der Ferkel verhindern könnte. Derzeit empfehlen wir, den Sauen in der letzten Woche vor dem Abferkeln 500 bis 600 Gramm Ballaststoffe pro Tag zu verfüttern. Dies könnte erreicht werden, indem Sauen ab dem Tag, an dem sie in den Abferkelstall gebracht werden, bis zum Abferkeln mit 3,2 kg Standardsauenfutter mit gleichen Mengen Gerste und Weizen und 2 % Zuckerrübenschnitzel gefüttert werden. Die Ballaststoffe, z. B. Zuckerrübenschnitzel, können als Top-Dressing zur Verfügung gestellt werden, da es nicht notwendig ist, Ballaststoffe mehr als einmal pro Tag anzubieten. Derzeit führen wir eine Dosis-Wirkungs-Studie durch, um den optimalen Gehalt an Ballaststoffen, die vor der Geburt an Sauen verfüttert werden sollten, besser zu verstehen.

Derzeit ist nicht bekannt, wie viel Energie die Sauen unmittelbar vor dem Abferkeln für den Nestbau verbraucht haben, aber es ist klar, dass es sehr wichtig ist, den Energiebedarf von Sauen beim Abferkeln zu verstehen, um eine übermäßige Ferkelsterblichkeit zu vermeiden. Unsere Studien haben gezeigt, dass das Abferkeln die Energie der Sauen erschöpft haben kann und dass die früher empfohlenen Futterkurven (mit vollständiger oder strikter Futterbeschränkung) nicht das Richtige zu sein scheinen, da sie die Geburtsdauer, die Rate der Totgeburten und die Kolostrumproduktion beeinträchtigen können.

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