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Sind wir bereit, ASP in den Betrieben zu erkennen?

Je nach Virulenz des Stammes und dem Expositionsweg kann die Krankheit vier verschiedene Erscheinungsformen annehmen, weshalb die Früherkennung aufgrund des Mangels an spezifischen klinischen Symptomen eine Herausforderung sein kann.

Montag 27 Mai 2019 (vor 22 Tage)
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Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist eine wieder auftauchende Infektionskrankheit, von der nur Schweinearten betroffen sind. Sie ist für die Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) eine meldepflichtige Krankheit, die sich auf den Handel auswirkt.

Da es keinen wirksamen Impfstoff gegen ASPv gibt, sind Quarantänemaßnahmen und das Keulen die einzigen Alternativen für Betriebe, die als ASPv-positiv diagnostiziert wurden. Bei der Einschleppung von ASPv in einen Betrieb sind die Früherkennung und Eliminierung der infektiösen Quelle unumgänglich, um eine weitere Ausbreitung des Virus auf andere Betriebe zu vermeiden.

Sind wir in der Lage das Virus zu erkennen, bevor es zu spät ist, eine Ausbreitung auf andere Betriebe zu verhindern?

Klinischer Fall von ASP

Nach meinen persönlichen Erfahrungen mit ASP in Russland zeigte sich die Krankheit in subklinischer Form mit einem langsamen Verlauf und einer langsamen Übertragung der Krankheit. Bei dem betroffenen Betrieb handelte es sich um einen Mastbetrieb mit 16 Ställen und insgesamt 30.000 Schweinen, die in dem Betrieb gehalten wurden. In einem bestimmten Stall des Betriebs stieg langsam die Sterblichkeit. Die betroffenen Schweine zeigten auf einmal Appetitlosigkeit, Fieber und blutigen Durchfall. Die Sterblichkeit stieg zwar nur langsam, aber konstant, bis sie in einem Zeitraum von 10 Tagen nach der ersten Beobachtung der Symptome 7 % der Gesamtverluste erreichte. Die betroffenen Schweine reagierten nicht auf die Behandlung mit injizierbaren Antibiotika und der Schweregrad der klinischen Symptome nahm so stark zu, dass das Betriebspersonal seine Besorgnis äußerte. Labortests bestätigten später ASPv.

Während dieses Zeitraums von 10 Tagen erfolgte eine Verlegung von asymptomatischen Jungsauen aus einem Stall ohne klinische Anzeichen in einen externen Aufzuchtstall für Jungsauen. Diese Jungsauen waren vor dem Transport mittels PCR als ASPv-negativ getestet worden und es gab keine klinischen Symptome in diesem Stall. Nach Ankunft der Tiere im Aufzuchtstall für Jungsauen begannen die Jungsauen ähnliche klinische Symptome zu zeigen, wie sie im Mastbetrieb gemeldet worden waren, allerdings mit einem schnelleren Krankheitsverlauf, der in nur 3 Tagen Verluste von 10 % erreichte. Der Aufzuchtstall für Jungsauen wurde 3 Tage nach Ankunft der Jungsauen aus dem infizierten Maststall ASPv-positiv getestet.

Alle Tiere im infizierten Maststall wurden in einem Zeitraum von 5 Wochen nach dem ASP-Nachweis eingeschläfert. 12 der 16 Ställe blieben in diesen 5 Wochen ASP-negativ und die höchste Sterblichkeit, die in den infizierten Ställen festgestellt wurde, betrug 15 %.

Meine Erfahrungen mit ASPv ähneln anderen Berichten, dass ASPv in den frühen Stadien der Krankheit zu leichten klinischen Symptomen mit niedrigen Sterblichkeitsraten führen kann. Allerdings gibt es bei der Schwere der klinischen Symptome, die aus den betroffenen Ländern gemeldet werden, eine große Variabilität. Es gibt Berichte aus Ländern Südostasiens, in denen sich die Krankheit in der akuten Form mit hohen Sterblichkeitsraten präsentiert, die in kurzer Zeit 90 % erreichen.

Erscheinungsformen von ASP

Je nach Virulenz des Stammes und dem Expositionsweg variiert die Inkubationszeit von 4 bis 19 Tagen, wobei die Krankheit vier verschiedene Erscheinungsformen annehmen kann:

  • Perakut: Hohe Sterblichkeit, die innerhalb der ersten Woche nach der Infektion bis zu 100 % erreichen kann. Dieser Krankheitsverlauf tritt mit hochvirulenten Stämmen auf und ein häufiger Befund ist der plötzliche Tod. Die Krankheit schreitet schnell voran und die meisten Schweine zeigen bis zu ihrem Tod keine klinischen Symptome.
  • Akut: Diese Erscheinungsform der Krankheit wird bei einem ASPv-Ausbruch von den Tierärzten oft erwartet. Kennzeichnend sind hohe Sterblichkeitsraten, die auch bis zu 100 % erreichen können. Allerdings schreitet die Krankheit langsamer voran als beim perakuten Verlauf, wobei es es bis zu 3 Wochen dauern kann, bis die Sterblichkeit 100 % erreicht. Die beobachteten klinischen Symptome sind offensichtlich und schwerwiegend. Insbesondere sind Fieber, hämorrhagische Hautläsionen, die über den gesamten Körper des Schweins verteilt sind, und Atemnot mit hämorrhagischem Nasenausfluss zu erwarten, bevor das Tier stirbt. Es ist davon auszugehen, dass bei der Sektion hämorrhagische Läsionen in mehreren Organen festgestellt werden, wobei häufig die Nieren, Lymphknoten und eine vergrößerte Milz betroffen sind. Wir sollten allerdings nicht davon ausgehen, diese Läsionen bei allen infizierten Schweinen vorzufinden.
  • Subakut: Die klinischen Symptome ähneln denjenigen des akuten Krankheitsverlaufs; sie sind nur weniger stark. Die Sterblichkeit kann innerhalb der ersten 3-4 Wochen nach der Infektion zwischen 30-70 % erreichen. Der Krankheitsverlauf ist deutlich langsamer als beim akuten Verlauf und die klinischen Anzeichen sind möglicherweise nicht so offensichtlich wie erwartet.
  • Chronisch: Die klinischen Symptome sind vielfältig. Es wurde von Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, blutigem Durchfall, Atemnot und Arthritis berichtet. Die Sterblichkeit bleibt unter 20 %. Die meisten Tiere überleben und werden monatelang zu Virenausscheidern.

Früherkennung von ASP

Die Früherkennung der Krankheit kann eine Herausforderung sein, da es keine spezifischen klinischen Symptome für ASP gibt. Die Schwere und Vielfalt der klinischen Symptome variiert je nach Virulenz des ASP-Stamms und dem Vorkommen anderer Infektionserreger.

Die Differentialdiagnose ist kompliziert, weil die klinischen Symptome und makroskopischen Läsionen denjenigen ähneln können, die auch bei anderen Schweinekrankheiten wie Erysipel, Salmonellen, klassischer Schweinepest, hochpathogenem PRRS, PDNS und Schweinedysenterie auftreten.

Die Krankheit kann mehrere Tage unentdeckt bleiben, bis die klinischen Symptome und die Zunahme der Sterblichkeit so hoch sind, dass eine Untersuchung erforderlich wird. Darüber hinaus können im Betrieb kursierende Krankheiten die Diagnose von ASP verzögern, weil der frühe Anstieg der Sterblichkeit und klinische Anzeichen auf andere, im Betrieb präsente Krankheiten zurückzuführen sein könnten. Dies erleichtert die weitere Ausbreitung des Virus auf andere Betriebe durch das Verlegen infizierter asymptomatischer Schweine in den frühen Stadien des Ausbruchs.

Die klinischen Symptome, die in Fällen von ASPv beobachtet werden, sind:

  • Fieber (> 40 Grad)
  • Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust
  • Hämorrhagische Hautläsionen, die am häufigsten an den Ohren und distalen Bereichen der Gliedmaßen auftreten
  • Hämorrhagischer Durchfall
  • Erbrechen
  • Atemnot
  • Hämorrhagischer Nasenausfluss
  • Aborte bei Sauen
  • Plötzlicher Tod

Bild von einem infizierten Schwein 14 Tage nach Feststellung der Krankheit: Hämorrhagische Läsionen an der Ohrspitze und im distalen Bereich des Hinterbeins.

Bild von einem infizierten Schwein 14 Tage nach Feststellung der Krankheit: Hämorrhagische Läsionen an der Ohrspitze und im distalen Bereich des Hinterbeins.

Bild von einem infizierten Schwein 14 Tage nach Feststellung der Krankheit: Schwere hämorraghische Läsionen am ganzen Körper.

Bild von einem infizierten Schwein 14 Tage nach Feststellung der Krankheit: Schwere hämorraghische Läsionen am ganzen Körper.

Makroskopische Läsionen, die bei ASP-Fällen häufig festgestellt werden:

  • Petechiale Blutungen in mehreren Organen, aber am häufigsten in Niere und Blase
  • Splenomegalie (vergrößerte Milz)
  • Hämorrhagische und vergrößerte Lymphknoten
  • Perikarditis mit übermäßiger Perikardialflüssigkeit

Bild von einem infizierten Schwein 14 Tage nach der ersten Feststellung der Krankheit: Betroffene Niere mit hämorrhagischen Petechien.

Bild von einem infizierten Schwein 14 Tage nach der ersten Feststellung der Krankheit: Betroffene Niere mit hämorrhagischen Petechien.

Bild von einem infizierten Schwein 14 Tage nach der ersten Feststellung der Krankheit: Vergrößerte Milz.

Bild von einem infizierten Schwein 14 Tage nach der ersten Feststellung der Krankheit: Vergrößerte Milz.

Bild von einem infizierten Schwein 14 Tage nach der ersten Feststellung der Krankheit: Vergrößerte und hämorraghische Lymphknoten.

Bild von einem infizierten Schwein 14 Tage nach der ersten Feststellung der Krankheit: Vergrößerte und hämorraghische Lymphknoten.

Bild von einem infizierten Schwein 14 Tage nach der ersten Feststellung der Krankheit: Hämorraghische Läsionen im Dickdarm.

Bild von einem infizierten Schwein 14 Tage nach der ersten Feststellung der Krankheit: Hämorraghische Läsionen im Dickdarm.

Dies ist nur eine Übersicht der klinischen Symptome, die bei mehreren Ausbrüchen in verschiedenen Ländern am häufigsten gemeldet wurden. Allerdings treten im Verlauf eines Ausbruchs nicht alle klinischen Symptome auf. Angesichts eines ASPv-Ausbruchs werden sich nicht alle Schweine gleichzeitig infizieren, weshalb wir unter den Tieren mit unterschiedlichen Schweregraden der klinischen Symptome rechnen sollten.

Labordiagnose

Aufgrund dieses weiten Spektrums klinischer Symptome und des Mangels an ASPv-spezifischen Läsionen ist es unerlässlich, sich bei der Diagnose auf Laboruntersuchungen zu verlassen. Es gibt mehrfach validierte Tests zum Viren- und Antikörpernachweis von ASPv. PCR ist der üblicherweise verwendete Test zum Nachweis des Virus im Frühstadium der Erkrankung. Vollblut, Milz, Niere und Lymphknoten sind die bevorzugte Probenart für den Virennachweis. Beim chronischen Verlauf der Krankheit wurde von einer unterbrochenen Ausscheidung berichtet. Daher ist es wichtig, neben der PCR auch serologische Tests zur Erkennung von Antikörpern durchzuführen.

IIn Ländern, in denen Laboreinrichtungen fehlen oder nur begrenzt zur Verfügung stehen, kann die Diagnose der Afrikanischen Schweinepest im Frühstadium der Krankheit ein Problem sein. Dies erschwert die Diagnose und Früherkennung der Krankheit zusätzlich.

Eckpunkte

  • Die klinischen Symptome variieren je nach Virulenz des Stamms
  • Die klinischen Symptome können denjenigen ähneln, die bei anderen wichtigen Schweinekrankheiten beobachtet werden
  • Die Sterblichkeit kann in den ersten zwei Wochen des Krankheitsverlaufs niedrig sein
  • Infizierte Schweine können asymptomatische Dauerausscheider des ASP-Virus sein
  • Zuverlässige und schnelle Diagnosetests sind der Schlüssel zur Früherkennung

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