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Impfung gegen PRRSV: ein praxisorientierter Ansatz

Die Immunisierung durch Impfung ist allgemein der einfachste und sicherste Weg zur Stabilisierung eines Tierbestands.

Montag 27 Juli 2015 (vor 4 Jahre 1 Monate 24 Tage)
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Die Bekämpfung von Infektionen durch das Porzine Reproduktions- und Respirationssyndrom-Virus (PRRSV) ist eine komplexe Aufgabe, die mindestens vier verschiedene Maßnahmen umfasst: die Diagnose, die Überwachung des Bestandsmanagements, die Biosicherheit und die Immunisierung. Die Immunisierung durch Impfung ist allgemein der einfachste und sicherste Weg zur Stabilisierung eines Tierbestands. In dieser Publikation wird der praktische Nutzen der PRRSV-Impfung überprüft.

 

Was kann man von der PRRSV-Impfung erwarten?
 

In den meisten Fällen führen PRRSV-Impfstoffe nur zu einem partiellen Schutz der geimpften Schweine. Dies bedeutet, dass sich geimpfte Schweine infizieren können, wenn sie mit einem PRRSV-Stamm in Kontakt kommen, der sich vom Impfstoff deutlich genug unterscheidet. Durch die bestehende Immunität wird die Infektion allerdings früher und stärker bekämpft, als wenn das Tier nicht geimpft worden wäre. Normalerweise führen Impfungen zu einem guten klinischen Schutz gegenüber der reproduktiven Erscheinungsform der Krankheit (Reduzierung der Aborte, Mumien etc., die durch PRRSV verursacht wurden) und zu einem vernünftigen Schutz für Ferkel, was sich normalerweise in einer Reduzierung der Letalität und sekundärer Atemwegserkrankungen äußert.

In virologischer Hinsicht, wenn das geimpfte Tier infiziert wird, wird durch die Impfung die Dauer der Virämie reduziert und die Virusfreisetzung nimmt ab. Deshalb könnte die Impfung zur Reduzierung der Übertragung der Infektion beitragen. Aus diesem Grund ist die Impfung nützlich, um den Bestand zu stabilisieren (Beendigung der vertikalen Übertragung von Sauen auf Föten während der Tragezeit).

Die Reduzierung der viralen Zirkulation nach der Impfung könnte jedoch vom Virenstamm beeinflusst werden. Allgemein tendieren PRRSV-Stämme mit höherer Virulenz eher dazu, den Schutz durch Impfstoffe zu überwinden.

Zur Erinnerung: Da die Immunität, die durch PRRSV-Impfstoffe verliehen wird, partiell ist, hängt die Wirksamkeit eines Impfstoffs von der Biosicherheit in Ihrem Betrieb ab. Je höher die Zahl der neuen lateralen Vireneinschleppungen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, einem virulenteren oder anderen Stamm ausgesetzt zu sein, der in Ihren Betrieb gelangt.

Impfung

 

PRRSV Impfung: Wer, wann und wie?


Die Impfung gegen PRRSV kann zu vier verschiedenen Zwecken eingesetzt werden: a) zur Unterbindung eines Ausbruchs, b) zur Eingewöhnung von Jungsauen, c) zur Auffrischung der Impfung von Sauen oder d) zur Immunisierung von Ferkeln. Lassen Sie uns diese vier Anwendungen näher betrachten:

a) PRRSV-Notimpfung

Wenn ein reproduktiver PRRSV-Ausbruch auftritt, dauert die klinische Phase zwischen 1 und 4 Monaten in Abhängigkeit von den Merkmalen des Betriebs, falls nicht eingeschritten wird. Die Minimierung der Auswirkungen der Krankheit ist deshalb ein zwingendes Ziel, das mit Hilfe einer Notimpfung der Sauen erreicht werden kann. Grundlage dieser Strategie ist es, eine Grundimmunität gegen das Virus bei allen Sauen des Bestands zur gleichen Zeit herzustellen.

Es gibt einige Punkte, die für den Erfolg der Notimpfung zu berücksichtigen sind:

  • Erstens: Je früher desto besser. Es ist zu beachten, dass die Entwicklung der Immunität nach der Impfung ca. 3 Wochen benötigt. Der Anteil infizierter Sauen zum Zeitpunkt der Impfung ist deshalb höher, je später die Impfung durchgeführt wird. Zur Erinnerung: Der Impfstoff nützt nur, wenn er naiven Sauen verabreicht wird.
  • Zweitens:Eine Notimpfung kann nur mit modifizierten (attenuierten) PRRSV-Lebendimpfstoffen erfolgen. Es hat sich gezeigt, dass sich eine Erstimmunisierung mit Lebendimpfstoffen schneller and stärker entwickelt. Allerdings ist daran zu denken, dass sich Lebendimpfstoffe im Tier reproduzieren und deshalb Sauen als Folge der Impfung vorübergehend virämisch werden (Diese Erkenntnis ist bei der Interpretation der PCR-Ergebnisse in den Wochen nach der Impfung zu berücksichtigen). Wenn die Notimpfung am Ende der Tragezeit erfolgt, können virämische Ferkel geboren werden (allerdings ohne klinische Folgen zu zeigen). 

b) Impfung zur Eingewöhnung von Jungsauen

Die Eingewöhnung PRRSV-freier Jungsauen lässt sich am besten durch Impfung erreichen. Zu diesem Zweck sollte man zuerst immer die Impfung mit einem Lebendimpfstoff prüfen und die Jungsauen 14 Tage nach der Impfung serologisch testen, um zu sehen, ob sie korrekt geimpft wurden. Wenn der Infektionsdruck im Betrieb hoch ist, sollte in manchen Fällen eine Nachimpfung 4 Wochen nach der ersten Impfung und spätestens 3 Wochen vor der Erstbesamung in Betracht gezogen werden. Wenn die Remontetiere aufgrund einer früheren Infektion in jüngerem Alter gegenüber PRRS serologisch positiv sind, würde eine einzige Impfung ausreichen (mit einem attenuierten Impfstoff um eine hohe Immunität zu gewährleisten). Zur Erinnerung:  Die Erstimmunisierung muss immer mit einem Lebendimpfstoff erfolgen.

Vor kurzem kamen Vorrichtungen zur intradermalen Verabreichung von Lebendimpfstoffen für Jungsauen und Sauen auf den Markt. Die intradermale Impfung scheint im Vergleich zu einer intramuskulären Impfung gegen PRRSV mindestens gleichwertig zu sein und bezüglich ihrer Handhabung und der Bändigung von Jungsauen und Sauen Vorteile zu bieten.

c) Auffrischungsimpfung von Sauen

Auffrischungsimpfungen können mit modifizierten Lebendimpfstoffen oder inaktivierten Impfstoffen durchgeführt werden. In beiden Fällen umfassen die gängigsten Impfprotokolle 3 (manchmal 4) Impfungen/Jahr, die normalerweise flächendeckend durchgeführt werden. Für die Wahl der Impfstoffe ist das jeweilige Infektionsrisiko zu berücksichtigen. Wenn der Infektionsdruck nicht sehr hoch ist, ist die Auffrischungsimpfung mit inaktivierten Impfstoffen eine Option, falls Sie keinen Lebendvirus in Ihren Sauenbestand einführen möchten.

Wenn ein Impfprotokoll fehlschlägt und die Immunität Ihres Bestands nach 3-4 Impfungen pro Jahr nicht aufrechterhalten wird, sollten Sie zuerst Dinge prüfen, die Sie möglicherweise falsch machen (unzureichende Aufbewahrung der Impfstoffe, falsche Impftechnik etc.), da dies eine häufige Ursache darstellt. Zur Erinnerung: Eine Auffrischungsimpfung von bereits seropositiven Sauen zeigt sich nicht immer in einem Anstieg der S/P-Verhältnisse im ELISA..

d) Impfung von Ferkeln

Die Impfung von Ferkeln war viele Jahre lang aus verschiedenen Gründen umstritten. Um zu verstehen, wie und wann die Impfung von Ferkeln von Nutzen sein kann, ist es wichtig daran zu erinnern, dass die Impfung von bereits infizierten Tieren nutzlos ist, wenn virämische Ferkel geboren wurden. Außerdem ist auch zu beachten, dass für die Entwicklung der Immunität mindestens 3-4 Wochen benötigt werden. In anderen Worten ist die Impfung von Ferkeln vorzunehmen, wenn in einem stabilisierten Bestand PRRSV-Infektionen nach einem Lebensalter von 6-7 Wochen auftreten. Wenn die Absetzferkel früher infiziert werden, ist eine Impfung wahrscheinlich wenig erfolgreich.

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